Meisenknödel und Buntspecht

Meisenknödel und Buntspecht – wie passt das zusammen? Seit drei Tagen beobachte ich am Morgen, stets um die gleiche Zeit, einen schönen großen Buntspecht an meiner Futterstelle. Ich bin natürlich begeistert, so einen schönen Vogel inmitten eines Essener Vorortes in meinem Garten sehen zu können. Es erstaunt mich allerdings, dass er mit dem Rücken nach unten an einem Meisenknödel hängt.

Meisenknödel – Fettfutter für den Frühling

Ist es normal das ein Specht sich über einen Meisenknödel hermacht? Meine Nachforschungen ergeben, dass es gar nicht so selten ist das ein Buntspecht zur Futterstelle in die Gärten kommt und dann besonders gerne den Meisenknödel annimmt. Der große Fettgehalt des Knödels zieht ihn an. Alle anderen Vögel bevorzugen ja jetzt, am Beginn des Frühlings, ebenfalls Fettfutter. Sie stärken sich für die bevorstehende, anstrengende Zeit der Nachwuchsfürsorge.

Unser Buntspecht, übrigens ein Männchen, sitzt zunächst auf den Ästen eines noch verhältnismäßig kleinen Ginkobaumes und erkundet die Umgebung. Das Männchen hat den, für den männlichen Buntspecht üblichen, roten Nackenfleck, der bei den Weibchen schwarz ist.

So lange die Amsel noch an der Futterstelle ist, hält der Specht sich zurück. Gerade will er sich auf den Anflug machen, da erscheint das Rotkehlchen und so wartet er lieber noch ab. Das kleine Rotkehlchen, der Vogel des Jahres, meint eh das Hausrecht zu haben. Es verscheucht alle anderen Vögel, die sich der Futterstelle nähern wollen, egal welche Größe. Nur die Kohlmeise lässt sich nicht so leicht verdrängen und vor ihr hat auch das Rotkehlchen Respekt.

Schließlich ist die Luft rein und der Buntspecht fliegt heran. Wie schon erwähnt hängt er rücklings unter dem Meisenknödel und es schmeckt ihm offenbar sehr gut. Ich muß sehr vorsichtig sein um ihn fotografieren zu können, deshalb knipse ich durch die Fensterscheibe. Das ist natürlich der Fotoqualität abträglich, aber für diesen besonderen Moment hinnehmbar. Bei der geringsten Störung fliegt der Specht sofort davon.

Auch wenn die Besuche nur von kurzer Dauer sind, sind sie doch etwas Besonderes und Morgen werde ich sicher wieder gespannt warten, ob der Buntspecht wiederkommt.

wo sind die Insekten ?

Im letzten Jahr hatten wir nur etwa die Hälfte Blühfläche im Garten. Nun haben wir in diesem Jahr aufgestockt um die Insekten zu unterstützen. Wildblumen und heimische Pflanzen lassen den kleinen Garten erblühen. Aber wo bleiben die Insekten?

Einige Hummeln und ein paar Schwebfliegen sind ja zu sehen, aber im Vergleich zum letzten Jahr sind es viel, viel weniger. Auch an den beiden Insektenhotels im Garten tut sich sehr wenig. Hat man früher auf der Terrasse Kaffee getrunken und etwas Kuchen gegessen, wurde man umschwirrt, da kam es vor das man sich dann lieber wieder in die Wohnung zurückgezogen hat. Alles nicht mehr notwendig. Außer zwei , drei Kohlweißlinge ist auch nur selten einmal ein Schmetterling zu sehen.

An den Pflanzen die aus den Wildwiesen Saatmischungen des NABU und der Sielmann Stiftung entstanden sind, sehe ich ab und an ein bis zwei Hummeln nach Nektar suchen. Aber ich denke es sind viel zu wenige.

Kann die extreme Wärme mit der Trockenheit im Juni damit zu tun haben? Ist es der Klimawandel? Eigentlich hatten wir hier in der Stadt, einem Vorort von Essen, noch immer mehr Insekten als auf dem Land. Auch die Vogelarten aus dem Frühjahr waren beständig. Die Bestände der Rotkehlchen und der Heckenbraunelle, sowie der Kohl- und Blaumeise kamen mir sogar höher vor als im letzten Jahr. Insofern hatte ich auch Hoffnung das die Zahl der Insekten steigen würde, aber das ist offensichtlich nicht der Fall. Hier scheint es drastisch nach Unten zu gehen. Wie sind die Erfahrungen der Leser? Würde mich interessieren, ob es nur hier so ist.