Geschichten aus der Natur

Ulrich Klös – Onlinemagazin

Advertisement

Windkraft und Vögel – wie groß ist die Gefahr wirklich?

Windkraft und Vögel -Kaum ein Thema wird unter Naturfreunden, Vogelbeobachtern und Fotografen derzeit so emotional diskutiert wie der Ausbau der Windkraft. Für die einen sind Windräder unverzichtbar für die Energiewende, für die anderen bedeuten sie eine zunehmende Gefahr für Greifvögel, Wiesenvögel und Zugvögel.

Zwischen Energiewende, Artenschutz und wissenschaftlichen Erkenntnissen

Wer häufiger draußen unterwegs ist, kennt die Bilder:
Rotmilane kreisen über Feldern, Kiebitze balzen über Wiesen oder Mäusebussarde sitzen am Feldrand auf der Jagd. Gleichzeitig wachsen vielerorts Windparks aus dem Boden.

Doch wie groß ist die Gefahr für Vögel tatsächlich?

Eine bemerkenswerte Langzeitstudie aus Ostfriesland liefert dazu interessante Erkenntnisse. Wissenschaftler untersuchten über mehrere Jahre hinweg die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Wiesenvögel und deren Lebensräume. Die Ergebnisse zeigen: Die Realität ist deutlich komplexer, als einfache Parolen vermuten lassen.

Die große Langzeitstudie aus Ostfriesland

Die Untersuchung von Marc Reichenbach und Hanjo Steinborn gehört zu den bekanntesten deutschen Studien zum Thema Windkraft und Vögel. Über mehrere Jahre wurden in Ostfriesland Wiesenvögel in Bereichen mit und ohne Windkraftanlagen beobachtet. Ziel war es herauszufinden, ob Windparks das Verhalten und die Verteilung der Vögel beeinflussen. (arsu.de)

Besonders untersucht wurden typische Offenlandarten wie:

  • Kiebitz
  • Uferschnepfe
  • Rotschenkel
  • Austernfischer

Die Forscher verglichen dabei Brutgebiete, Rastplätze und das Verhalten der Tiere über einen langen Zeitraum.

Windkraft und Vögel

Viele Vögel meiden Windkraftanlagen

Die Studie zeigte tatsächlich sogenannte „Meidungseffekte“. Einige Vogelarten hielten Abstand zu Windrädern und nutzten Flächen in unmittelbarer Nähe seltener. Besonders beim Kiebitz wurden deutliche Effekte festgestellt. Bereiche bis etwa 200 Meter Entfernung – teilweise sogar bis 400 Meter – wurden häufiger gemieden. (arsu.de)

Das bedeutet nicht automatisch, dass die Tiere sterben.
Aber Lebensräume gehen verloren, wenn Vögel bestimmte Flächen nicht mehr akzeptieren.

Gerade für Wiesenvögel ist das problematisch. Viele dieser Arten stehen ohnehin unter Druck:

  • intensive Landwirtschaft
  • Entwässerung von Feuchtgebieten
  • Pestizideinsatz
  • Verlust ruhiger Brutflächen

Windparks können diesen Druck regional zusätzlich verstärken.

Nicht jede Vogelart reagiert gleich

Interessant ist jedoch, dass die Auswirkungen stark von der jeweiligen Art abhängen.

Während einige Wiesenvögel empfindlich reagieren, scheinen andere Arten deutlich toleranter zu sein. Manche Singvögel gewöhnen sich offenbar relativ gut an Windkraftanlagen.

Greifvögel wiederum stellen einen Sonderfall dar.

Vor allem Rotmilane gelten als besonders gefährdet, weil sie häufig in Rotorhöhe jagen. Der Rotmilan gehört deshalb zu den Vogelarten, die in Deutschland immer wieder als Kollisionsopfer registriert werden. (Wikipedia)

Wie viele Vögel sterben wirklich an Windrädern?

Genau diese Frage wird oft sehr emotional diskutiert.

Tatsächlich sterben Vögel durch Kollisionen mit Windkraftanlagen. Besonders betroffen sind:

  • Greifvögel
  • Möwen
  • einige Zugvogelarten
  • Fledermäuse

Allerdings zeigen Studien auch, dass andere menschengemachte Gefahren deutlich größere Auswirkungen haben.

Fensterscheiben, Straßenverkehr, Stromleitungen oder Hauskatzen töten jedes Jahr weit mehr Vögel als Windkraftanlagen. (Wikipedia)

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Problem ignoriert werden sollte. Denn bei seltenen Arten können bereits vergleichsweise wenige Verluste kritisch werden.

Gerade beim Rotmilan beobachten Ornithologen regional deutliche Rückgänge in Gebieten mit hoher Windkraftdichte. (Wikipedia)

Die eigentliche Herausforderung: der richtige Standort

Viele Experten sehen deshalb nicht die Windkraft selbst als Hauptproblem, sondern schlechte Standortplanung.

Ein Windpark mitten in einem wichtigen Zugkorridor oder Jagdgebiet von Greifvögeln kann massive Auswirkungen haben. Anderswo sind die Konflikte deutlich geringer.

Heute versuchen Planer deshalb stärker auf sensible Bereiche Rücksicht zu nehmen:

  • Abstand zu Brutgebieten
  • Berücksichtigung von Zugrouten
  • Abschaltungen während bestimmter Zeiten
  • Vermeidung attraktiver Jagdflächen direkt unter Anlagen

Auch technische Lösungen werden erforscht. In einigen Ländern testet man beispielsweise schwarz markierte Rotorblätter, damit Vögel die Rotoren besser erkennen können. Erste Studien zeigen durchaus positive Effekte. (Wikipedia)

Weitere Techniken bestehen durch KI gestützte Kamerasysteme. Diese schalten die Anlage ab, wenn sich Vögel oder Fledermäuse in der Nähe befinden.

Es gibt Systeme die Windkraftanlagen automatisch abschalten, wenn landwirtschaftliche Tätigkeiten durchgeführt werden, die Rotmilan, Schreiadler, Störche oder Wanderfalken anziehen.

Zwischen Naturschutz und Klimaschutz

Die Diskussion zeigt ein schwieriges Dilemma unserer Zeit.

Denn auch der Klimawandel bedroht viele Vogelarten massiv.
Steigende Temperaturen, Trockenheit und veränderte Lebensräume setzen besonders Zugvögeln und Wiesenvögeln zunehmend zu.

Damit stehen sich zwei Formen des Naturschutzes gegenüber:

  • Schutz des Klimas
  • Schutz einzelner Lebensräume und Arten

Einfache Antworten gibt es dabei kaum.

Was wir aus der Studie lernen können

Die ostfriesische Langzeitstudie macht vor allem eines deutlich:

Vögel reagieren sensibel auf Veränderungen ihrer Landschaft.

Windkraftanlagen sind deshalb kein völlig harmloser Eingriff in die Natur. Gleichzeitig zeigt die Forschung aber auch, dass differenzierte Betrachtungen wichtiger sind als ideologische Schlagworte.

Entscheidend ist letztlich:

  • wo Windparks gebaut werden
  • wie sie geplant werden
  • welche Vogelarten betroffen sind
  • und wie ernst Artenschutz tatsächlich genommen wird

Vielleicht liegt genau darin die wichtigste Erkenntnis:
Die Natur lässt sich nicht in einfache Schwarz-Weiß-Debatten pressen.


Beobachtungstipps: Welche Vögel man an Windparks entdecken kann

Windparks gelten für viele Naturfreunde zunächst nicht unbedingt als klassische Orte der Vogelbeobachtung. Doch gerade in offenen Landschaften begegnet man dort häufig interessanten Arten – darunter Greifvögel, Wiesenvögel und gelegentlich sogar seltene Großvögel.

Wer Vögel an Windkraftanlagen beobachtet, sollte allerdings nicht nur auf schöne Flugbilder achten, sondern auch auf das Verhalten der Tiere im Umfeld der Rotoren. Denn manche Arten reagieren erstaunlich sensibel auf die Anlagen, während andere sich offenbar angepasst haben.

Greifvögel besonders im Fokus

Vor allem Greifvögel fallen in Windpark-Regionen häufig auf. Sie nutzen die offenen Flächen zur Nahrungssuche und kreisen oft über Wiesen und Feldern.

Typische Arten sind:

  • Rotmilan
  • Schwarzmilan
  • Mäusebussard
  • Turmfalke

Besonders Rotmilane gelten als windkraftsensibel, da sie häufig in Rotorhöhe jagen. Wer diese eleganten Segelflieger beobachtet, sollte einmal darauf achten, wie sie sich den Anlagen nähern und ob sie bestimmte Bereiche meiden oder gezielt umfliegen.

Auch seltenere Arten wie Seeadler oder Schwarzstörche können in manchen Regionen auftreten. Aufgrund ihrer Größe und ihrer weiten Flugbewegungen stehen sie bei Naturschützern besonders im Blick.

Überraschende Anpassungen mancher Vogelarten

Interessant ist, dass nicht alle Arten Windparks meiden.

Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass Feldlerchen teilweise sogar in der Nähe laufender Rotoren brüten. Andere Singvögel wiederum halten eher Abstand zu den Anlagen.

Das verdeutlicht erneut, wie unterschiedlich Vogelarten auf Veränderungen ihrer Lebensräume reagieren.

Die beste Zeit für Beobachtungen

Gerade morgens und am späten Nachmittag lohnt sich ein Besuch an windreichen Offenlandflächen besonders. Dann sind viele Greifvögel aktiv auf Nahrungssuche.

Ein gutes Fernglas gehört dabei zur Grundausstattung. Wer weiter entfernte Flugbewegungen beobachten möchte, profitiert zusätzlich von einem Spektiv.

Wichtig ist allerdings, ausreichend Abstand zu den Anlagen und möglichen Brutbereichen einzuhalten. Nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch, um die Tiere nicht unnötig zu stören.

Worauf Naturbeobachter achten können

Spannend ist vor allem die Frage, wie Vögel auf die Windräder reagieren.

Naturbeobachter achten häufig auf:

  • Flugkorridore der Tiere
  • Ausweichbewegungen vor Rotoren
  • Jagdverhalten in Windparknähe
  • Unterschiede zwischen stillstehenden und laufenden Anlagen

Bei modernen Windparks kommen teilweise automatische Abschaltsysteme zum Einsatz, die größere Vögel erkennen sollen. Solche sogenannten „Bird Vision Systems“ werden derzeit weiterentwickelt und gelten als möglicher Beitrag zum Vogelschutz.

Beobachtungen dokumentieren

Wer häufiger an Windparks unterwegs ist, kann interessante Beobachtungen sammeln.

Hilfreich sind dabei Notizen zu:

  • Vogelart
  • Uhrzeit
  • Flugrichtung
  • Flughöhe
  • Verhalten nahe der Rotoren
  • Wetterbedingungen
  • Betrieb oder Stillstand der Anlagen

Gerade solche langfristigen Beobachtungen liefern oft spannende Einblicke in das Verhalten der Tiere.

Zwischen Faszination und Verantwortung

Windparks zeigen besonders deutlich, wie komplex das Verhältnis zwischen Mensch, Technik und Natur geworden ist.

Einerseits entstehen neue Risiken für bestimmte Vogelarten. Andererseits versuchen Forschung und Technik zunehmend, diese Gefahren zu verringern.

Für Naturfreunde bleiben Windpark-Landschaften deshalb interessante Orte der Beobachtung – aber auch Orte, an denen sichtbar wird, wie empfindlich viele Vogelarten auf Veränderungen ihrer Umwelt reagieren.


Quellen und Studien

weiter Artikel zum Thema:

Windräder – Gefahr oder Segen?

Leave a Reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Social Share Buttons and Icons powered by Ultimatelysocial