Geschichten aus der Natur

Ulrich Klös – Onlinemagazin

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🔍 Zwillingsarten der Vogelwelt

Sumpfmeise oder Weidenmeise?

Zwei kleine Meisen – ein großer Unterschied

Wer zum ersten Mal eine Sumpfmeise und eine Weidenmeise nebeneinander sieht, versteht schnell, warum selbst erfahrene Vogelbeobachter manchmal ins GrĂŒbeln geraten. Doch wie kann man Sumpfmeise oder Weidenmeise unterscheiden?

Beide Arten sind etwa so groß wie eine Kohlmeise, tragen eine schwarze Kopfplatte, besitzen helle Wangen und einen schwarzen Kehllatz. Auf den ersten Blick wirken sie nahezu identisch. FrĂŒher galten sie sogar als Unterarten derselben Art.

Heute wissen wir: Es sind zwei eigenstĂ€ndige Vogelarten – mit einigen erstaunlichen Unterschieden.

Der kleine helle Fleck

Ein gutes Erkennungsmerkmal der Sumpfmeise ist der kleine, helle Fleck am Schnabelansatz. Er wirkt fast wie ein winziges weißes Sandkorn auf dem Oberschnabel. Die Weidenmeise besitzt diesen Fleck normalerweise nicht.

Allerdings ist dieses Merkmal nicht immer leicht zu erkennen und hÀngt stark vom Lichteinfall ab.

GlĂ€nzende oder matte MĂŒtze?

Schaut die Sonne gĂŒnstig auf den Kopf, erkennt man oft einen weiteren Unterschied. Die schwarze Kopfplatte der Sumpfmeise glĂ€nzt leicht. Bei der Weidenmeise wirkt sie dagegen eher matt und samtig. Gerade bei gutem Licht ist dieses Merkmal erstaunlich zuverlĂ€ssig.

Die weißen Wangen

Auch die Wangen unterscheiden sich. Die Sumpfmeise besitzt meist reinweiße Wangen. Bei der Weidenmeise erscheinen sie hĂ€ufig etwas cremefarben oder gelblich-weiß.

Dieser Unterschied ist allerdings eher subtil und fÀllt besonders im direkten Vergleich auf.

Sumpfmeise oder Weidenmeise unterscheiden
Sumpfmeise – kleiner Latz – heller Fleck am Schnabelansatz – weiße Wangen

Der schwarze Kehllatz

Ein weiteres Merkmal betrifft den schwarzen Fleck unter dem Schnabel. Bei der Sumpfmeise ist dieser Kehllatz meist kleiner und sauber begrenzt. Die Weidenmeise trĂ€gt dagegen einen deutlich grĂ¶ĂŸeren, lĂ€nglicheren Kehllatz, der seitlich weiter nach unten reicht. Dadurch wirkt ihr Kopf insgesamt krĂ€ftiger.

Die Stimme verrÀt den Namen

Noch zuverlÀssiger als das Gefieder ist hÀufig der Ruf. Die Weidenmeise ruft oft:

„dÀÀ-dÀÀ-dĂ€Ă€â€œ oder ein nasales „tschÀÀ-tschĂ€Ă€â€œ

Die Sumpfmeise klingt dagegen heller und schneller. Wer beide Stimmen einmal bewusst gehört hat, kann sie oft schon erkennen, bevor der Vogel ĂŒberhaupt sichtbar wird.

Der Lebensraum hilft ebenfalls

Die Namen geben bereits einen kleinen Hinweis.

Die Weidenmeise liebt:

  • feuchte WĂ€lder
  • Moorgebiete
  • WeidengebĂŒsche
  • BirkenbrĂŒche

Die Sumpfmeise ist dagegen hÀufiger anzutreffen in:

  • LaubwĂ€ldern
  • MischwĂ€ldern
  • Parks
  • Friedhöfen
  • naturnahen GĂ€rten

Ganz streng halten sich beide allerdings nicht an diese Vorlieben.

Die Baumeister

Ein besonders spannender Unterschied liegt in der Brutbiologie. Die Weidenmeise arbeitet selbst. Mit ihrem krÀftigen Schnabel zimmert sie ihre Bruthöhle hÀufig eigenstÀndig in morsches Holz.

Die Sumpfmeise ist etwas bequemer. Sie nutzt meist bereits vorhandene Baumhöhlen oder alte Spechthöhlen und erweitert diese nur geringfĂŒgig.

Wer ist mutiger?

Viele Vogelbeobachter berichten, dass Sumpfmeisen an Futterstellen etwas zutraulicher erscheinen. Eine feste Regel ist das allerdings nicht. Beide Arten besuchen im Winter gerne FutterplÀtze und verstecken Samen hÀufig als Vorrat in Rindenspalten oder Moos. Erstaunlicherweise erinnern sie sich Monate spÀter noch an viele ihrer Verstecke.

Mein persönlicher Tipp

Wer versucht, beide Arten allein anhand eines Fotos zu bestimmen, wird oft scheitern. Erst das Zusammenspiel mehrerer Merkmale bringt Sicherheit:

  • glĂ€nzende oder matte Kopfplatte
  • heller Fleck am Schnabel
  • GrĂ¶ĂŸe des Kehllatzes
  • Farbe der Wangen
  • Lebensraum
  • vor allem aber der Ruf

Genau das macht den Reiz dieser beiden kleinen Meisen aus. Sie zeigen eindrucksvoll, dass Vogelbeobachtung weit mehr ist als nur das Betrachten eines Gefieders.

Man muss genau hinschauen. Und noch genauer hinhören.


Schnellvergleich

MerkmalSumpfmeiseWeidenmeise
KopfplatteglÀnzendmatt
Heller Fleck am Schnabel✔ meist vorhanden✘ fehlt
Wangenreinweißcreme- bis gelblichweiß
KehllatzkleingrĂ¶ĂŸer und lĂ€nger
Rufhell, schnellnasaler „dÀÀ-dĂ€Ă€â€œ-Ruf
Bruthöhlenutzt vorhandene Höhlenbaut hÀufig selbst
LebensraumLaub- und Mischwald, Parksfeuchte WĂ€lder, Moore

🔎 Schwierigkeitsgrad: ⭐⭐⭐⭐☆


Beobachtungstipp

Gerade an winterlichen Futterstellen lohnt es sich, die kleinen Meisen einmal genauer zu betrachten. Ein Fernglas hilft bei der Gefiederbestimmung – doch wer zusĂ€tzlich auf den Ruf achtet, hat oft den entscheidenden Hinweis.


Sumpfmeise Gesang

Weidenmeise Gesang:

weitere Zwillingsarten : TeichrohrsĂ€nger – SumpfrohrsĂ€nger

👉 Die Geschichte dahinter: Wie moderne Genetik alte IrrtĂŒmer aufklĂ€rte.

Auch diese beiden Arten wurden frĂŒher fĂŒr Unterarten gehalten.

Heute weiß man, dass sie sich genetisch deutlich unterscheiden.

Sogar ihre Stimmen sind verschieden.

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