Geschichten aus der Natur

Ulrich Klös – Onlinemagazin

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Rabenkrähe oder Nebelkrähe?

Zwei Krähen – getrennt durch die Eiszeit, verbunden durch ihre Geschichte

Wer in Deutschland eine schwarze Krähe beobachtet, denkt meist nicht lange darüber nach. Eine Krähe eben. Dennoch stellt sich oft die Frage, wie man Rabenkrähe oder Nebelkrähe unterscheiden kann. Doch schaut man genauer hin, entdeckt man, dass es in Europa zwei sehr nahe verwandte Arten gibt: die Rabenkrähe und die Nebelkrähe.

Lange Zeit galten sie sogar als Unterarten derselben Art. Heute werden sie meist als zwei eigenständige Arten betrachtet – und ihre Geschichte gehört zu den spannendsten Beispielen der Evolution in Europa.

Die Eiszeit als Wendepunkt

Vor etwa 15.000 bis 20.000 Jahren, während der letzten Eiszeit, waren große Teile Europas von mächtigen Gletschern bedeckt. Die ursprüngliche Krähenpopulation wurde dadurch in zwei getrennte Gebiete aufgespalten. Eine Population überlebte westlich der Eisbarriere. Die andere entwickelte sich im Osten Europas weiter. Über viele Jahrtausende passten sich beide Populationen unabhängig voneinander an ihre Umwelt an.

Warum die Nebelkrähe grau wurde

Die auffälligste Veränderung betrifft das Gefieder. Während die Rabenkrähe vollständig schwarz blieb, entwickelte die östliche Population ein zweifarbiges Federkleid.

Kopf, Flügel, Schwanz und Brust blieben schwarz. Der übrige Körper wurde hellgrau. Warum genau sich diese Färbung entwickelte, ist bis heute nicht endgültig geklärt.

Vermutlich spielten sowohl genetische Veränderungen als auch die Partnerwahl über viele Generationen eine Rolle.

Nicht nur die Farbe änderte sich

Auch der Schnabel entwickelte sich leicht unterschiedlich. Die Rabenkrähe besitzt meist einen kräftigeren, höheren Schnabel. Bei der Nebelkrähe wirkt der Schnabel oft etwas schlanker und feiner. Diese Unterschiede sind allerdings deutlich schwieriger zu erkennen als die Gefiederfärbung.

Die Hybridzone

Mit dem Ende der Eiszeit breiteten sich beide Arten wieder nach Mitteleuropa aus. Heute treffen sie in einer schmalen Übergangszone aufeinander. Diese sogenannte Hybridzone verläuft ungefähr entlang der Elbe von Nord nach Süd.

Hier können sich beide Arten miteinander verpaaren.

Die Nachkommen besitzen häufig Merkmale beider Eltern und zeigen unterschiedlich starke Schwarz-Grau-Muster. Für Evolutionsbiologen ist diese Region besonders interessant.

Sie beobachten dort seit Jahrzehnten, wie sich zwei nahe verwandte Arten begegnen, ohne vollständig miteinander zu verschmelzen.

Warum bleiben es zwei Arten?

Obwohl beide Arten fruchtbare Nachkommen bekommen können, vermischen sie sich nur begrenzt. Ein wichtiger Grund scheint die Partnerwahl zu sein. Krähen bevorzugen meist Partner, die ihnen äußerlich ähnlich sehen.

Diese scheinbar einfache Vorliebe trägt dazu bei, dass beide Arten ihre Eigenständigkeit bis heute bewahren.

Die intelligentesten Vögel Europas

Ganz gleich, ob Rabenkrähe oder Nebelkrähe: Beide gehören zu den intelligentesten Vögeln überhaupt. Sie können:

  • Werkzeuge benutzen
  • Gesichter von Menschen wiedererkennen
  • Probleme lösen
  • Vorräte verstecken
  • und voneinander lernen.

Ihre geistigen Fähigkeiten werden häufig mit denen von Menschenaffen verglichen.

Mein persönlicher Tipp

Wer im Westen Deutschlands lebt, wird fast ausschließlich Rabenkrähen begegnen. Im Osten Deutschlands dominieren dagegen die Nebelkrähen.

Gerade in der Übergangszone entlang der Elbe lohnt sich jedoch ein genauer Blick. Dort lassen sich manchmal sogar Mischlinge beobachten – lebende Zeugen einer Entwicklung, die vor Tausenden von Jahren in der Eiszeit begann.


Schnellvergleich

MerkmalRabenkräheNebelkrähe
Gefiedervollständig schwarzgrauer Körper, schwarzer Kopf und Flügel
Schnabelkräftigeretwas schlanker
VerbreitungWesteuropaOsteuropa
Hybridzoneentlang der Elbeentlang der Elbe
Intelligenzsehr hochsehr hoch

Beobachtungstipp

Die Gefiederfarbe macht die Bestimmung meist einfach. Spannend wird es jedoch in der Hybridzone. Dort lohnt sich ein genauer Blick auf Übergangsformen, die Merkmale beider Arten vereinen.


🔎 Schwierigkeitsgrad der Bestimmung

⭐☆☆☆☆ (1 von 5)

Außerhalb der Hybridzone leicht zu unterscheiden.


👉 Die Geschichte dahinter: Wie die Eiszeit neue Formen entstehen ließ.

Sie waren während der Eiszeit räumlich getrennt und entwickelten sich unterschiedlich.

Heute können sie sich noch miteinander verpaaren.

Deshalb streiten Wissenschaftler bis heute darüber, ob es

  • zwei Arten,
  • oder zwei Unterarten derselben Art sind.

Die meisten modernen Bestimmungsbücher behandeln sie inzwischen als zwei Arten, weil sie sich trotz Hybridzone weitgehend getrennt erhalten.

weitere Zwillingsarten

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