Geschichten aus der Natur

Ulrich Klös – Onlinemagazin

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Zilpzalp oder Fitis unterscheiden

Zwei kleine Laubsänger – der eine singt seinen Namen

Zilpzalp oder Fitis unterscheiden – wer im Frühjahr durch einen Wald oder Park spaziert, hört häufig einen kleinen, unscheinbaren Vogel, lange bevor er ihn entdeckt. Manchmal scheint er unermüdlich seinen eigenen Namen zu rufen:

„Zilp-zalp… zilp-zalp… zilp-zalp…“

Hat man diesen Gesang einmal kennengelernt, erkennt man den Vogel sofort. Doch nicht jeder kleine Laubsänger singt so eindeutig.

Der Fitis sieht seinem Verwandten zum Verwechseln ähnlich und sorgt regelmäßig für Unsicherheit bei Vogelbeobachtern.

Zwei fast identische Vögel

Zilpzalp und Fitis gehören beide zur Familie der Laubsänger. Mit ihren knapp elf Zentimetern Körpergröße, dem olivgrünen Rücken und der hellen Unterseite wirken sie fast wie Zwillinge.

Kein Wunder also, dass viele Beobachter zunächst ratlos sind. Dabei gibt es einige gute Hinweise.

Ein Blick auf die Beine

Wer den Vogel einmal ruhig beobachten kann, sollte einen Blick auf die Beine werfen. Der Zilpzalp besitzt meist dunkle, fast schwarze Beine.

Der Fitis dagegen hat deutlich hellere, gelblich-braune oder fleischfarbene Beine. Leider verraten die beiden dieses Merkmal nicht immer freiwillig. Meist sitzen sie hoch in den Baumkronen, sodass die Beine kaum zu erkennen sind.

Der Überaugenstreif

Etwas einfacher fällt oft der Blick ins Gesicht. Der Fitis besitzt einen längeren, deutlich gelblichen Überaugenstreif, der hinter dem Auge noch gut sichtbar weiterläuft. Beim Zilpzalp ist dieser Streif meist kürzer und wesentlich unauffälliger.

Dadurch wirkt das Gesicht des Fitis insgesamt freundlicher und heller.

Der Gesang entscheidet

Zilpzalp oder Fitis unterscheiden
Zilpzalp

Die sicherste Bestimmung gelingt jedoch über die Stimme. Der Zilpzalp verdankt seinen Namen seinem Gesang. Sein ständig wiederholtes

„zilp-zalp… zilp-zalp… zilp-zalp“

ist fast unverwechselbar.

Der Fitis klingt völlig anders. Sein Gesang beginnt etwas lebhaft und geht anschließend in eine weiche, abwärts gleitende Melodie über. Viele Vogelbeobachter vergleichen ihn mit einem kleinen Wasserfall aus Tönen.

Gerade diese sanft auslaufende Melodie unterscheidet ihn deutlich vom gleichmäßigen Rhythmus des Zilpzalps.

Wo fühlen sie sich wohl?

Auch ihre Lebensräume überschneiden sich. Dennoch besitzen beide kleine Vorlieben.

Der Fitis bevorzugt:

  • lichte Laubwälder
  • Birkenbestände
  • junge Aufforstungen
  • Waldränder

Der Zilpzalp fühlt sich häufig wohl in:

  • Mischwäldern
  • Parks
  • Gärten
  • Friedhöfen
  • Auwäldern

Ganz streng halten sich beide allerdings nicht an diese Grenzen.

Früh heimgekehrt

Der Zilpzalp gehört zu den ersten Frühlingsboten. Oft trifft er bereits im März wieder in Deutschland ein. Der Fitis folgt meist ein bis zwei Wochen später. Wer also schon sehr früh im Frühjahr einen singenden Laubsänger hört, hat gute Chancen, einen Zilpzalp vor sich zu haben.

Kleine Insektenjäger

Beide Arten leben fast ausschließlich von Insekten, Spinnen und deren Larven. Mit erstaunlicher Geschicklichkeit sammeln sie ihre Beute zwischen den Blättern oder fangen kleine Insekten sogar im Flug.

Dadurch leisten sie einen wichtigen Beitrag zur natürlichen Schädlingsbekämpfung.

Mein persönlicher Tipp

Wer Zilpzalp und Fitis unterscheiden möchte, sollte sich nicht nur auf das Aussehen verlassen. Viel wichtiger ist es, zunächst stehen zu bleiben und zuzuhören. Oft verrät der Gesang innerhalb weniger Sekunden, welcher der beiden kleinen Sänger vor einem sitzt.

Hat man den Unterschied einmal verinnerlicht, wird man beide Arten künftig viel häufiger sicher bestimmen können.


Schnellvergleich

MerkmalZilpzalpFitis
Beinedunkel bis schwarzhellbraun bis fleischfarben
Überaugenstreifkurz, unauffälliglänger und gelblicher
Gesang„Zilp-zalp, zilp-zalp“weiche, abwärts fallende Melodie
AnkunftMärzApril
LebensraumMischwälder, Parks, Gärtenlichte Laubwälder, Waldränder

Beobachtungstipp

Am einfachsten lassen sich beide Arten über ihren Gesang unterscheiden. Wer den rhythmischen Ruf des Zilpzalps einmal bewusst gehört hat, wird ihn kaum noch verwechseln. Der Fitis dagegen begeistert mit einer melodischen Strophe, die wie ein kleiner Wasserfall langsam ausklingt.


🔎 Schwierigkeitsgrad der Bestimmung

⭐⭐⭐☆☆ (3 von 5)

Mit dem Gesang leicht – allein nach einem Foto oft überraschend schwierig.

Gesang des Fitis – heraabfallender „Wasserfall“

Gesang des Zilpzalp (auch Weidenlaubsänger) – singt seinen Namen

weitere Zwillingsarten entdecken : Zwillingsarten


💡 Eine kleine Ergänzung : Der Zilpzalp trägt auch den älteren deutschen Namen „Weidenlaubsänger“.


👉 Die Geschichte dahinter: Wie zwei nahezu identische Arten nebeneinander leben können.

Auch das sind zwei Arten.

Hier spielte vermutlich die Konkurrenz eine große Rolle.

Obwohl beide ähnlich aussehen, besetzen sie leicht unterschiedliche ökologische Nischen.

Der eine kommt früher zurück.

Der andere bevorzugt etwas andere Wälder.

So konkurrieren sie weniger miteinander.


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