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warum ist der Osten „rechts“?

obwohl in den neuen Bundesländern bedeutend weniger Migranten leben als in den alten Bundesländern ist der Rechtsextremismus im Osten besonders stark angesiedelt. Woher kommt diese offensichtliche Angst vor dem „Fremden“ ?

Osten

Zum Ende des 2. Weltkrieges wurde Deutschland bekanntermaßen in Ost und West aufgeteilt.  Im Westen beteiligen sich die Alliierten an der Vergangenheitsbewältigung. Die Nürnberger Prozesse rollen die Taten der Nazis auf, es kommt zu Verurteilungen. Die neu entstehende Bundesrepublik erhält eine demokratische Verfassung die Beispielhaft ist. Der Wiederaufbau läuft auf vollen Touren. Mit westlicher Unterstützung boomt die Wirtschaft. Das Wirtschaftswunder nimmt seinen Lauf. Konrad Adenauer , erster Kanzler der jungen Bundesrepublik,  holt aus Europa die „deutschstämmigen Bürger“ zurück in die Heimat. Auch wenn es bereits Generationen betrifft, die Deutschland nur aus Büchern kennen.
Der demokratische Gedanke setzt sich in der nächsten Generation fest.  Ein Beispiel dafür liefern die „68er“. Noch sitzen in den hohen Ämtern ehemalige Nazis. Der Springer Verlag will ein Pressemonopol errichten. Die Jugend und die Studenten gehen auf die Straße, demonstrieren mit allen Mitteln für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und für die Pressefreiheit.

Der Westen

Der Wirtschaftsaufschwung macht es nötig Arbeitskräfte aus Europa einzuladen als Gastarbeiter in Deutschland zu arbeiten. Aus allen Teilen Europas kommen Arbeiter und gemeinsam mit ihren deutschen Kollegen wird in den Stahlwerken und auf den Zechen „geschafft“. Die meisten der Gastarbeiter werden über Generationen bleiben. Längst haben sich Freundschaften gebildet und man ist zusammen gewachsen . Viele der ehemaligen Gastarbeiter sind geblieben, haben sich eine neue Existenz aufgebaut und sind heute Deutsche.

eine bunte Vielfalt

Das Leben mit den verschiedenen Kulturen bereichert das Leben. Im Ruhrgebiet entstehen diverse Restaurants. Italienische, griechische spanische und portugiesische und zuletzt türkische Küche konkurieren  mit chinesischer und thailändischer Küche. Kulturelle Veranstaltungen werden mitgestaltet, Volksfeste werden bunter. Klar verläuft nicht alles reibungslos. Dennoch, das Problem „Migration und Flüchtlinge“ hat hier längst nicht das Gewicht wie im Osten. Zahllose freiwillige Helfer unterstützen die Flüchtlinge bei der Eingliederung, im Bezug auf Behördengänge, Wohnungssuche und Schule. Allerdings ist auch hier klar das es unbedingt mehr Unterstützung von staatlicher Seite geben muß. Schulen stoßen mit ihrer Kapazität an Grenzen und es fehlen Lehrer. Sprache ist das A und O zur Integration. Es zeigen sich erste Erfolge bei der Ausbildung und der Arbeitssuche. Günstiger Wohnraum muß geschaffen werden um eine Gettorisierung in einzelnen Stadtteilen zu verhindern.  Alle wissen, es gibt noch viel zu tun, aber man sieht Fortschritte und eine positive Entwicklung.
Es entsteht kein Nährboden für Nazis und die AfD. Der Stimmenanteil der Rechten ist minimal im Vergleich zu den Bundesländern im Osten.

Der Osten…

…ist der eigentliche Verlierer des 2. Weltkrieges. Ganz anders als im Westen ändert sich das Leben dort kaum. Die Doktrin der NSDAP wird durch die linke Doktrin der SED abgelöst. Von der rechten Diktatur  geht es nahezu nahtlos in die linke Diktatur über. Der Staat übernimmt erneut die Kontrolle über seine Bürger. Stasi – FdJ – alles Organisationen die es in ähnlicher Form unter den Nazis gab. Staatliche Kontrolle und Bespitzelung, das Einmischen in die Erziehung bereits vom Kinderhort an und parteitreues Lehrpersonal an den Schulen. Organisierte Massenveranstaltungen mit Jubelarien wie zu Zeiten der NSDAP werden abgehalten. Fremdarbeiter aus den „verbrüderten Staaten“ werden ins Land geholt, untergebracht in Häuserblöcken und betreut von einem Sekretär der Partei.  Selbstbestimmung ist ein Fremdwort und nicht gewollt.

Die alten Nazis darf es offiziell nicht geben, die sind nach der SED, alle im bösen Westen, der zum ständigen Feindbild der DDR geworden ist. So wird das rechte Gedankengut nicht bekämpft, sondern bewahrt.  Unterschiede sind ja eh kaum zu erkennen. Fremdenfeindlichkeit bleibt in den Köpfen erhalten und wird weitergegeben.

Die Wende

Die Folgegeneration macht das allerdings nicht uneingeschränkt mit. Der wirtschaftliche Untergang des Osten trifft besonders hart die DDR, die vom russischen Bruder ausgebeutet wird. Alle Versuche an Devisen zu kommen scheitern, der Staat steuert auf die Pleite zu. Die Bevölkerung widersetzt sich und das Ergebnis ist schließlich Massenflucht und endlich die Wiedervereinigung.

wieder vereint….

…ist die Hoffnung auf bessere Zeiten groß. Helmut Kohl, damals Bundeskanzler der BRD spricht von entstehenden „blühenden Landschaften“ und die D-Mark bringt die Augen zum Leuchten. Leider läßt der Westen dann aber die „Neubürger“ mit ihren Sorgen und entstehenden Problemen im Umgang mit der neuen Staatsform, der Demokratie und dem Kapital als Gesellschaftsform, alleine. Einzig die Nachfolgeorganisation der SED , die PDS, versucht den Bürgern vor Ort Hilfestellung zukommen zu lassen.  Nach dem Zusammenschluß zur Partei „Linke“ ist auch diese Episode Vergangenheit. Viele kommen mit der neuen Lebensweise nicht zurecht und stürzen sozial ab. Unzufriedenheit wächst, Angst vor Fremden steigt und obwohl nur ein minimaler Prozentsatz Migranten in den östlichen Bundesländern untergebracht werden, finden die Nazis der Pegida Bewegung und der AfD hier fruchtbaren Boden und streuen fleißig neue Saat auf den verseuchten Boden……   und wieder schaut der Westen zu.

Mir ist durchaus bewußt das auch in den neuen Bundesländern die überwiegende Mehrheit auf dem Boden des Grundgesetzes steht. Dieser Bericht ist lediglich der Versuch einer Erklärung, warum rechtes Gedankengut sich in weiten Teilen der Bevölkerung in den neuen Bundesländern so leicht verbreiten läßt.

AfD – wehret den Anfängen

AfD – Nazis auf dem Vormarsch ?

wir sind nicht das Volk der AfD

Zu der AfD Demonstration in Berlin kamen glücklicherweise weniger Teilnehmer als die Partei erhoffte. 5000 Teilnehmern standen 25000 Gegendemonstranten gegenüber. Als einer der Gegner der AfD Kampagne auf einen Lautsprecherturm kletterte  skandierten die AfD Demonstranten „abknallen, abknallen, abknallen. „ 

Hier erkennt man bereits welche Geister die Partei gerufen hat, deshalb  gilt es sich jetzt gegen diese undemokratische, rechtsradikale Partei aufzulehnen. Leider scheinen die Nazis besser vernetzt zu sein als deren Gegner. Allerdings tut sich da jetzt etwas .

Es ist höchste Zeit das unsere etablierten Politiker und Parteien sich direkt gegen diese Partei aufstellen. Sie dürfen nicht in das gleiche Horn stoßen, indem sie in der Flüchtlingsproblematik Teile der rechten Thesen aufnehmen. Hier gilt es sich klar abzugrenzen und nicht zu versuchen Stimmen aus dem rechten Rand zu fischen.

Fakten zur AfD

Von den 252 Abgeordneten im Bundestag und den Landtagen hängen gegen 22 AfD Mitglieder 24 Verfahren bei Gerichten, Staatsanwalten und staatlichen Behörden an. Die Vorwürfe gehen über Meineid, Betrug, Untreue, Steuerhinterziehung, Beihilfe zur Körperverletzung und Volksverhetzung bis zur sexuellen Nötigung.

Die AfD steht für Fremdenfeindlichkeit. Sie propagiert Ausgrenzung, möchte die Frau wieder an den Herd bringen. Außerdem  will sie aus der EU austreten und Grenzen schließen. Sozialpolitik ist ihr fremd. Gegen Arbeitslosigkeit soll sich jeder selbst absichern. 

Staatliche Hilfe für sozial Schwache nicht finanziert werden. Ausländerfeindlichkeit wird offen ausgesprochen. Zu der Zeit  als Wahlen anstanden, behaupteten die Führungskräfte der Partei keine Nazis und Fremdenfeindlichkeit zu dulden.

Rechte Hetze

Heute klingt das ganz anders. Herr Gauland will jetzt die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Frau Aydin Özugus „in Anatolien entsorgen.“  „Leistungen“ der Wehrmacht in Ehren halten.  Höcke behauptet die Erinnerung an den Holocaust seien eine Schande  und an anderer Stelle Hitler sei ok. Poggenburg, zur Zeit als er noch Vorsitzender der Landespartei war, referiert über in Deutschland lebende Türken als „Kümmelhändler“ und „Kameltreiber“.

Weidels Verfehlungen – AfD

Alice Weidel anlässlich einer Rede im Bundestag : „Burkas und Koptuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse.“ Lars Steinke – Landesvorsitzender der Jugendorganisation der AfD „Junge Alternative“ posiert auf einem Foto mit angelegter Armbrust und dem Untertext „immer Kampfbereit.“  Auf einem anderen Bild präsentieren sich zwei Vorstandsmitglieder des Kreisverbandes Freising Pfaffenhofen auf dem Gipfel der Zugspitze mit dem Hitler Gruß.

Initiative „Schule ohne Rassismus“

Die Initiative „Schulen ohne Rassismus – Schule mit Courage “ von Schülern für Schüler gegründet richtet sich gegen Ausgrenzung und Diskriminierung bei Religion, Herkunft und Geschlecht . Die Initiative wird mit Landesmitteln gefördert.  Hierzu äußert sich H.Th Tillschneider, Mitglied des sächsischen Landtages der AfD,  Sprecher der „Patriotischen Plattform“ : „…den linken Sumpf austrocknen ? Die AfD zeigt wie es geht. Fangen wir an indem wir die Landesförderung des Netzwerkes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ einstellen !“

Extremer Mitarbeiter 

Der parlamentarische Mitarbeiter Marcel Graf , er arbeitet für die AfD Abgeordneten Christa Baum und Heiner Merz im Baden Württembergischen Landtag, bekennt sich in Facebook Accounts zu Adolf Hitler und Mussolini . Außerdem steht er zu den Ideen des Massenmörders Breivik.

Er freut sich auf einen Bürgerkrieg mit Millionen Toten und will knietief im Blut auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen. Er wurde nicht aus der Büroarbeit entlassen. (Quelle Kontext – interaktives Hintergrundmagazin).

Rechtsradikale plakatieren, zur gleichen Zeit als in Solingen der Brandanschläge vor 25 Jahren gedacht wird,  „Gegen Merkels vertierte Vergewaltiger Flüchtlinge hilft nur Gewalt !“

Sachsen Anhalt

In Sachsen Anhalt gingen auf das Konto Linksextremer 398 Straftaten. Auf das Konto der Rechtsextremisten gingen 1461 politische Straftaten. Indem die „Politiker“ der AfD in ihrer Rhetorik bis an die Grenzen des Erlaubten gehen und Fremdenfeindlichkeit, Flüchtlinge und Integration verteufeln, andere Politiker beleidigen und beschimpfen, schaffen sie das Umfeld für die verbrecherischen Taten ihrer Anhänger. 

Diese fühlen  sich durch die Rhetorik ermutigt. Die AfD streut den Samen der Gewalt. Sie schafft ein Klima der Ausgrenzung.  Es ist doch erstaunlich das in einer Umfrage 19 Prozent angeben in ihrer Familie keinen Juden haben zu wollen und nicht erklären können warum eigentlich nicht.

Keine Ausreden mehr

Heute kann ein AfD Wähler sich nicht mehr mit dem Argument begnügen diese Partei aus Protest gegen die etablierten Parteien gewählt zu haben. Heute macht er sich Mitschuldig. Man muss nicht mit der aktuellen Politik einverstanden sein. Man kann auch durchaus unzufrieden mit den verschiedenen Verhältnissen sein, aber man muss den richtigen Weg beibehalten.

Bringt man seine Klagen und Beschwerden bei den Lokalpolitikern an, sei es in einzelnen Gesprächen oder auch durch eine Einladung mehrer Gleichgesinnter, kann etwas erreicht werden. Kritik hört kein Politiker gerne, dennoch muss er sie sich aber anhören und Konsequenzen ziehen . es gibt schließlich immer wieder Wahlen.

Lasst Euch nicht vor den Karren rechtsextremer Organisationen und Parteien spannen – unsere Demokratie und das Grundgesetz sind das beste was zur Zeit vorhanden ist.

Vereintes Europa , Garant für Frieden

Ein vereintes Europa ist der Garant für eine Friedensperiode wie sie es bisher nicht gegeben hat.  Das wissen auch die Europaparlamentarier der Rechten, die zwar über Europa schimpfen und den Austritt ihrer Länder fordern, sich aber gleichzeitig aus den Töpfen der EU reichlich bedienen.

Sie wettern gegen Steuerverschwendung in der EU , haben aber gleichzeitig 427.000 € Spesen  innerhalb eines Jahres rechtswidrig abgerechnet. (WAZ vom 30.05.18), Sie predigen Wasser und trinken Champagner. Quellen TZ , WAZ, Kontext

Dampflok

deutsch deutsche Grenzerlebnisse

Grenzerlebnisse erzählt von einer Zeit,  wo das Reisen gen Osten durch eine innerdeutschen Grenze schwierig wurde.

1961 fuhren wir, wie in jedem Jahr, zu unseren Verwandten in die DDR.  Ich war damals elf Jahre alt und freute mich wie immer Oma, Opa, Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen wieder zu sehen.  1961 fuhren wir noch mit dem Interzonenzug in die DDR.

In den vorherigen Jahren hatte ich auch die Ferienspiele der FDJ (Freie Deutsche Jugend) mitgemacht. Uns interessierten ja die politischen Dinge nicht, wir waren froh den ganzen lieben langen Tag an der Luft zu sein, Schnitzeljagden zu machen und Spaß zu haben, da störte mich auch das blaue Halstuch mit dem FDJ Symbol nicht.

Fischfang

In diesem Jahr waren wir zu spät dran und ich ging mit Bernd zur Thyra, einem Bach der in Stolberg im Harz entspringt, um dort Forellen zu fangen. Wir hatten da schon Routine drin und fingen die Fische mit der Hand. Im Waschhaus, auf dem Hof meiner Großeltern, kamen sie dann noch für eine Zeit in die Holzbadewanne, bevor Oma sie dann zum Essen vorbereitete.

Die Großeltern hatten nach der Zwangskollektivierung der Felder, diese wurden in die LPG ( Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft ) integriert, noch etwas Land das mit Kartoffeln bewirtschaftet wurde und eine Obstwiese. In der Scheune war noch eine Stallung mit zwei Schweinen und Ziegen, es gab ein paar Kaninchenställe und auf dem Hof liefe eine Schar Hühner herum.

Erkrankung – Mauerbau – Grenzerlebnisse

Der nächste Tag begann mit hohem Fieber und eitrigen Entzündungen an den Augen und Mund und  heftigen Schmerzen beim Wasserlassen.  Der herbeigerufene Arzt stellte fest das ein Transport nicht möglich sei, unbedingte Bettruhe. 

Nachdem ich bereits  zwei Tage sehr krank gelegen hatte, es war der 13. August 1961, vermeldete der Rundfunk den Bau der Mauer in Berlin, die  Grenze wurde noch dichter als sie bereits war. Die Eltern machten sich große Sorgen, da durch meine Krankheit an eine Abreise nicht zu denken war. Allerdings lief unsere  Aufenthaltsgenehmigung auch ab und sie beschlossen das mein Vater mit meinem Bruder nach Essen zurück fahren. Mutter und ich blieben.

Mein Onkel und Mutter bemühten sich um eine Aufenthaltsverlängerung für uns beide, erhielten aber nur eine Bescheinigung des Arztes über die Transportunfähigkeit. Alle machten sich Gedanken wie es weiter ginge, würde es ein Problem bei der Ausreise geben?

Heimfahrt

Zwei Wochen später, kurz zuvor war der Berliner Günter Litfin an der Mauer ums Leben gekommen, brachten die Verwandten uns zum Interzonenzug nach Sangerhausen. Der Zug war sehr voll und es blieb nur ein Platz auf den Notsitzen im Gang.

Die Zugkontrolle wurde von Beamten der DDR und Russischen Soldaten durchgeführt. Der Soldat der unsere Unterlagen kontrollieren sollte erkannte sofort das hier eine Mutter mit einem ziemlich kranken Kind unterwegs war und sagte zu ihr : „Kind krank, mitkommen !“ Er schnappte sich den Koffer und führte uns zum Wagen mit den erste – Klasse –  Abteilen, die fast alle leer standen. “ Hier setzen und Kind hinlegen, muß schlafen !“ –

Ja, es gab auch zu den Zeiten des kalten Krieges noch menschliches  und meine Mutter war glücklich so wieder gut ins Ruhrgebiet zu kommen. Einen Tag später war ich dann in der Uni Klinik in Essen. Eine schwere Lungenentzündung sorgte dafür, dass mit der anschließenden Erholungskur in Bad Reichenhall, das Schuljahr für mich gelaufen war.

Grenzerlebnisse
Grenze DDR/BRD 

Foto Pxabay

Kontrollen

Die Fahrten mit dem Zug in die DDR waren für uns schon zur Gewohnheit geworden. Wir kannten ja das Prozedere. Dennoch war es zu spüren wie die zuvor ausgelassene Stimmung, die lauten Gespräche, immer leiser wurden je näher man dem Grenzgebiet kam. Je nachdem welchen Ausgangsbahnhof wir in Essen hatten fuhr der Zug über die Grenzübergänge WolfsburgOebisfelde, oder HelmstedtMarienborn. Wenn der Interzonenzug einen der westlichen Grenzbahnhöfe erreichte, waren die Gespräche im Zug nahezu verstummt.

Das Personal wurde ausgewechselt, ein anderer Zugführer, aus dem Osten übernahm die Lok und die Fahrt ging weiter. Vorbei an den Minenfeldern durch „Niemandsland“ bis zum Grenzbahnhof Ost.

bitte Aussteigen…

Wer Glück hatte konnte zur Gepäck- und Papierkontrolle im Zug bleiben, die weniger Glücklichen mußten raus aus dem Zug und in die Baracken, um dort kontrolliert zu werden.

Mit den Einreisepapieren, die zuvor nach Hause geschickt werden, wird auch ein auszufüllendes Verzeichnis mitgeschickt, wo aufgeführt werden muß, was sich im Gepäck befindet und das sehr ausführlich. Das Plastikgefäß mit den ungemahlenen Kaffeebohnen wurde in ein anderes Behältnis gefüllt, um zu sehen das dort nichts versteckt ist, Wäsche auseinandergefaltet und so weiter.

die Lektüre

Man war dann schon froh, wenn es bei der Kofferkontrolle blieb und das Handgepäck nicht noch separat kontrolliert wurde, oft war es aber so und die Modezeitschrift „Burda“ die meine Mutter immer für ihre Schwägerin mitnahm wurde entdeckt und konfisziert, obwohl sie wußte das man Drucksachen aus dem Westen nicht einführen darf. Sie sagte dann immer das es sich doch nur um eine  Modezeitschrift mit Schnittmustern handelt und nicht um ein politisches Magazin, um sich herauszureden, aber die Hefte waren weg. Wahrscheinlich nähte die Frau des „Grenzers“ auch.

die Wasserpistole

1956/57  – Grenzerlebnisse  bei einer Grenzkontrolle. Ich war ca. 6 Jahre alt, da wurden wir extrem kontrolliert, woran ich aber nicht ganz schuldlos war. Das Gepäck war bereits durchsucht und Vater war gerade dabei die Koffer wieder zu schließen, als ich laut bemerkte .“ Papa, die haben die Pistolen gar nicht gefunden! “

– Die Folge war eine sofortige neue Kontrolle aller Gepäckstücke bis ins kleinste Detail. Da nutzte es auch nicht,dass Vater erklärte das es sich um Wasserpistolen für die Cousins handelte und wo sie liegen. Die Kontrolle dauerte so lange, dass der Interzonenzug ohne uns weiterfuhr. Wir mußten weitere sechs Stunden auf den nächsten Zug warten.  Ab dieser Zeit gab es als Mitbringsel dann nur noch die obligatorische Schokolade und den Kaugummi, sowie für die Erwachsenen Kaffee und Zigarren.

Mit dem  eigenen Auto durch die Grenze

1983 – war es dann soweit das die Fahrt mit dem eigenen Auto angetreten wurde. Das „flaue Gefühl“ setze dennoch kurz vor der Grenze wieder ein, auch wenn die Kontrollen bei der Einreise nicht mehr so kompliziert waren wie bei der Zugreise. Anders verhielt es sich bei der Ausreise.

Das Auto wurde intensiv kontrolliert. Der Tank wurde durchleuchtet, das Unterteil des Wagens mit einem mobilen Spiegel kontrolliert. Dann sollte ich den Rücksitz umklappen, wobei ich überfragt war. Der Wagen war neu und ich hatte den Rücksitz noch nie zurück geklappt, fand also die Entriegelung nicht. Die „Grenzer“ waren aber offensichtlich gut in Westfahrzeugen geschult und erklärten mir umgehend wie das funktioniert.

Devisen

Schließlich kam dann die Frage nach Devisen der DDR.  Wir waren vorher gut informiert worden, dass man kein Geld der DDR mitnehmen durfte.  Dennoch sagt meine Frau das sie noch 10 Ost-Mark habe und als sie bemerkt er könne sie ja gerne behalten, schwant mir fürchterliches.


Ich habe noch ein Konto in der DDR

Wir mußten wieder kehrt machen bis wir in der DDR eine Ost Sparkasse fanden um das Geld auf ein Konto einzahlen zu können, verschenken ging ja nun auch nicht mehr, man hätte uns ja sicher nach der Quittung gefragt. So kam es das wir wieder einmal vier Stunden unerwünschten Aufenthalt hatten , weil um die Mittagszeit in der Sparkasse ja auch nicht gearbeitet wurde.  Es existiert also noch heute irgendwo ein ehemaliges DDR Konto mit 10 Ost Mark.

Nordhäuser Korn

Die Kontrollen auf der westdeutschen Seite waren sehr lax. Teilweise wurde man gleich durchgewunken, oder es wurden die Papiere nachgesehen. Nur einmal mußte ich den Koffer öffnen und hatte natürlich eine Flasche Nordhäuser Korn zuviel im Gepäck, wir hatten von dem umgetauschten Tagesgeld Ost meist Wurst und Spirituosen gekauft.

So mußte ich eine geringe Gebühr Zoll bezahlen, wovon dieser aber nicht viel hatte. Weil ich nämlich vergaß die Quittung mitzunehmen, wurde mir diese noch mit der Post nach Hause geschickt.

Damals waren die Grenzerlebnisse noch aufregend. Heute ist es bereits Teil der Deutschen Geschichte  die viele nicht mehr kennen.