Schlagwort-Archive: Meise

Zwillingsarten

Zwillingsarten – den Begriff hatte ich bisher noch nicht gehört. Er erklärt aber weshalb man manchmal so große Probleme bei der Bestimmung hat. Es sind Arten die sich so ähnlich sehen, dass man sie nur an Kleinigkeiten unterscheiden kann, wenn da nicht der Gesang wäre. Anhand der unterschiedlichen Gesänge sind sie dann doch gut zu unterscheiden, wenn sie denn gerade ihre Stimmer erschallen lassen.

Ganz große Probleme habe ich persönlich bei der Identifizierung der Baumläufer und bei der Sumpf- oder Weidenmeise. Auch bei Zilpzalp und Fitis kommt es immer wieder zu Verwechslungen.

Beim Gesang ist der Zilpzalp mit seinem „zilp-zalp-zelp“ gut zu erkennen. Der Fitis hat da bedeutend mehr zu bieten und bringt eine Melodie hervor die dem Ruf des Buchfinks ähnelt. „Will wissen wie weit es noch ist“, beschreibt Klaus Philipp in seinem Buch „Vogelstimmen“ den Gesang des Fitis mit Volksmundversen.

Zwillingsarten
Weidenmeise

Die Weidenmeise ist ähnlich einfallslos wie der Zilpzalp und singt ein eintöniges „dääh dääh dääh“. Die Sumpfmeise trillert dagegen hell und schnell, eine Reihe scharf klingender Laute, denen ein weiches Flöten vorangeht.

Äußerlich sind sie kaum zu unterscheiden. Beide haben einen schwarzen Kinnbart. Bei der Sumpfmeise ist dieser Bart deutlich kleiner als bei der Weidenmeise, die auch eine helleres Feld auf den Flügeln hat.

Meist reicht die Zeit aber nicht um die feinen Unterschiede zu erkennen, noch dazu wenn die Vögel in Bewegung sind und man noch keine jahrelangen Erfahrungen hat, so wie ich. Da ist dann tatsächlich die Stimme hilfreich.

Beim Garten- oder Waldbaumläufer sind ebenfalls nur minimale Unterschiede auszumachen. Da wäre die kürzere Hinterzehe beim Gartenbaumläufer. Der längere Schnabel des Waldbaumläufer und eine kleine Differenz in der Musterung am Flügelfeld.

Zwillingsarten – an der Stimme erkennen

Auch bei diesen beiden Arten macht die Stimme die Bestimmung einfacher. Der Waldbaumläufer hat ebenfalls eine, dem Buchfinken- oder Fitisgesang ähnelnde Melodie. Er fängt mit einem hohen Triller an und geht dann abfallend weiter. An manchen Stellen meint man ein hohes Flüstern zu hören. Der Gartenbaumläufer belässt es bei einem einfachen “ ti – ti“.

Zwillingsarten
Heckenbraunelle

Es gibt noch einige dieser Zwillingsarten, bei denen Unterscheidungen schwer fallen. Oft werden die Heckenbraunelle und der Haussperling verwechselt, oder Mistel- und Singdrossel, Nachtigall und Sprosser und Sumpfrohrsänger und Teichrohrsänger.

Als ich gestern in der Saarner Aue unterwegs war, konnte ich die Weidenmeise ais nächster Nähe ablichten und obwohl die Bilder gut wurden, habe ich lange überlegt, ist es nun die Weiden oder die Sumpfmeise? Sie hat nämlichen keinen Pieps von sich gegeben. Jetzt kommt aber bald der Frühling, da werden sie ja wieder etwas Sangesfreudiger.

verwandte Bilder:

Kohlmeise – der Killer

Kohlmeise – der Held unter den Meisen, steht in der Hackordnung ganz oben. Auch größeren Singvögeln macht die Kohlmeise den Rang streitig. Was sie haben will, bekommt sie auch.

Kohlmeise

Die Kohlmeise ist die größte und am weitesten verbreitete Meisenart in Europa. Ihren Namen verdankt sie der schwarzen Kopfhaube.

Der Rocker unter den Meisen kann auch zur Bestie werden. Forscher des Max Planck Instituts für Ornithologie in Pöcking beobachteten an einer Höhle im Nordosten Ungarns ein außerordentliches Phänomen. In der tief verschneiten Landschaft fanden die Meisen keine Nahrung. Samen, Beeren und Insekten wie Spinnen, Falter und Mücken waren nicht mehr zu finden.

In den Höhlen halten Zwergfledermäuse ( Pipistrellus pipistrellus ) ihren Winterschlaf. Die etwa 5 g schweren, Streichholzschachtel großen Tiere werden nun zum Opfer der Kohlmeise. Diese fliegt in die Höhle und fügt mit ihrem spitzen Schnabel der Fledermaus schwere Kopfverletzungen zu. Nach etwa fünf Minuten fliegt der Vogel mit seinem Opfer aus der Höhle und frißt es.

Nun ist das allerdings der Not bedingt. Als die Forscher Speck und Sonnenblumenkerne vor der Höhle auslegen, verzichten die Kohlmeisen auf die Fledermäuse.

Kohlmeise

Das Phänomen der „Killermeise“ ist allerdings nicht neu. Schon länger ist bekannt das Kohlmeisen auch kleine Vögel töten.

In der Brutzeit konkurrieren Blaumeise und der aus Afrika kommende Trauerschnäpper ( Ficedula hypoleuca ) um Nistplätze und Nahrung. Forscher der Universität Groningen machten an 1000 Nistkästen die folgenden Beobachtungen.

Kohlmeise
Trauerschnäpper

Sobald eine Kohlmeise einen Nistplatz des Trauerschnäppers betritt, hat dieser keine Chance mehr.

Die Kohlmeise fügt ihm schwerste Kopfverletzungen zu. In 86 Nestern von Kohlmeisern fanden die Forscher tote Trauerschnäpper, deren Gehirn offenbar von der Meise gefressen wurde.

Ausserhalb der Nester ist der Trauerschnäpper der Kohlmeise überlegen. Aufgrund seiner besseren Flugkünste kann er die Meise beim Nestbau vertreiben.

Dennoch gehört unsere intelligente und freche Kohlmeise zu den beliebtesten Singvögeln. Zumal sie uns ja auch das ein oder andere Mal mit ihrem Gesang verspottet, wenn sie nicht ihr „zizibäh – zizibäh“ (oder nach den Volksmundversen vonKlaus Philipp – „sitz i da, sitz i da“ ) singt, sondern die Stimme anderer Meisen nachahmt.

Meine Bücher ansehen