City Essen

Essen – die grüne Stadt erleben

Essen 

– die grüne Stadt erleben

eine Führung durch Essen

Bevor wir loslegen muß der verehrte Leser wissen, dass  wir „Ruhris“ eine besondere Spezies Mensch sind. Da wir uns bei der ersten Begegnung ja noch nicht kennen, beginnen wir das Gespräch miteinander indem wir noch „Sie“ zueinander sagen. Das dauert aber in den meisten Fällen nicht lange und es geht in etwa so weiter. „ Hömma, pass ma auf, jetz sach ich dir ma wat!“ …. Und schon sind wir beim vertraulichen „Du“ angelangt. Deshalb setze ich den Text auch mit der uns so liebgewonnen Anrede in der „Du-Form“ fort.

EKZLimbeckerPlatz
EKZLimbeckerPlatz

Wenn du in Essen einem „Eingeborenen“ – also Einheimischen, begegnen möchtest, wirst du ihn in der Innenstadt auf einer der beiden Einkaufsstraßen –  Kettwiger Straße oder Limbecker Straße oder in der Rathaus Galerie oder dem Shoppingtempel  Limbecker- Platz, kaum finden. Der Essener lebt in seiner Siedlung, seinem Vorort. Hier fühlt er sich wohl geht zu seinem Gesangverein, Kegelklub, Tauben – oder Schützenverein, oder in seine Stammkneipe und da sind wir bereits an dem Ort, wo wir uns besten kennenlernen können.  Du darfst nur nicht eingeschnappt sein, wenn die Begrüßung etwas ungewohnt ausfällt, etwa so:“ Tach, wat willsse?  – Tach wat krisse?“  – das heißt nichts anderes als  – herzlich willkommen, was darf es denn für ein Getränk sein? Wenn du dann sagst : „Hallo, ich nimm dann ma en leckeret Stauder Pilsken !“ , dann hast du gewonnen und bist voll integriert und es dürfte höchst wahrscheinlich sein, dass der Tag für dich gelaufen ist und du von der Stadt nicht mehr viel siehst. Dafür wachst du am nächsten Morgen wohl mit etwas Kopfschmerzen auf und die Essener wissen wer du bist, wo du herkommst und wie deine Frau und deine Kinder heißen. Nach einer Aspirin können wir uns aber daran machen unsere schöne Stadt kennenzulernen.

Kettwig
Kettwig

Wegen des gestrigen Tages ist heute frische Luft angesagt und das Auto bleibt vor der Tür, wer weiß schon ob der „Pegel“ seinen niedrigsten Stand bereits wieder erreicht hat. Mit der Ruhrbahn erreichen wir auch so locker die Altstadt von Essen-Kettwig und bummeln durch die Gassen mit den schönen Fachwerkhäusern, die uns glaubhaft machen wir wären im tiefsten Bergischen Land, oder im Sauerland, dennoch befinden wir uns mitten im Ruhrgebiet was wir ja auch bald sehen können, denn wir wandern durch das Ruhrtal in Richtung Essen-Werden. Am Restaurant Kattenturm mit dem Minigolfplatz erfrischen wir uns mit einem kühlen Glas kaltem – natürlich, Wasser – vom Bier hatten wir ja gestern genug. Nach knapp sieben Kilometern erreichen wir dann Essen Werden, mit der Abteikirche und der schönen kleinen Altstadt. Wir gehen am Wasser entlang, genießen die frische Luft , lassen die Brehm Insel hinter uns und gelangen ans Stauwehr und somit zum Baldeneysee. Der Baldeneysee ist der größte der sechs Ruhrstauseen. Umgeben von den Ruhrhöhen sehen wir oberhalb der Regattastrecke die Villa Hügel, auf der anderen Seite liegt etwas entfernt  Haus Scheppen, das ehemalige Lehnsgut der Äbtissinnen und der Abtei Werden und wenn wir nun zur Erholung der müden Füße mit einem der Ausflugsschiffe derweißen Flotte eine Rundfahrt über den See machen, kommen wir am „Seaside Beach vorbei, der einzigen Badestelle im See, gegenüber sehen wir den Rauch der Museumsbahn „Hespertal Bahn“ , das Vogelschutzgebiet Heisinger Aue und das Schloß Baldeney sehen wir ebenfalls während der Fahrt. Zurück am Ausgangsort lässt es sich nicht vermeiden der „Villa Hügel“ einen Besuch abzustatten. 1870 bis 1875 wurde dieses „Einfamilienhaus“ der Familie Krupp erbaut und war Gastgeber für sämtliche Repräsentanten der damaligen Welt.  Hier jetzt alle Eindrücke des imposanten Gebäudes und des umgebenen Parks wiederzugeben würde den Rahmen sprengen, schließlich soll der Artikel ja kein Buch werden.  Ich denke das die Socken langsam qualmen und deshalb nutzen wir auch wieder die öffentlichen Verkehrsmittel für die Rückfahrt.

Baldeneysee
Baldeneysee
Villa Hügel
Villa Hügel

Ich hoffe die Nachtruhe hat gut getan und wir machen uns auf den Weg in die Innenstadt. Hier nehmen wir uns als erstes Ziel den Dom, die Essener Münsterkirche vor. Der Sitz des Bischofs und des „Ruhrbistums“ beherbergt einen wertvollen Kirchenschatz. In der Schatzkammer finden wir die „goldene Madonna“, die älteste vollplastische Marienfigur nördlich der Alpen. Desweiteren befindet sich hier der  2,26 Meter hohe, aus Bronze gefertigte sechsarmige Leuchter und das Schwert der Schutzpatrone Cosmos und Damian, sowie die Kinderkrone Karl des Großen.  Wenn wir dann durch die Rathaus Galerie weiter gehen, befinden wir uns unmittelbar am Fuße des mit 106 Metern ehemals größten Rathauses Europas, von dessen Panoramafenster,  in einer der oberen Etage, man einen herrlichen Blick über das Ruhrgebiet hat. Durch die U-Bahn Passage gelangen wir dann auf die andere Seite der Hauptstraße und befinden uns an dem beeindrucken gotischen Bau der ehemaligen Synagoge, die wie so viele andere Synagogen auch, in der Reichsprogromnacht  in Flammen stand. Der robuste Bau hat die Bombenjahre gut überstanden und wurde komplett saniert. Heute befindet sich in den Räumen eine ständige Ausstellung über jüdische Kultur.

Rathaus - Synagoge
Rathaus – Synagoge

Ich denke so langsam knurrt der Magen und wir nutzen die nahegelegene U-Bahn Station um mit der Linie 107 bis zur Haltestelle  Nikolausstraße zu fahren. Von hier aus sind es noch knapp fünf Minuten Gehweg zum Fünf – Mädel – Haus im Hugenkamp. Hier wollen wir uns schon einmal auf den bevorstehenden Nachmittag einstimmen und womit kann man das besser als mit einem typischen „Ruhrpott – Kohle – Essen“. Die Speisekarte grüßt mit dem Text „ wat gibbet denn Leckeres?“ Wenn man weiterliest stehen da Dinge wie „Bergmannsbuffet“, „Ruhrpott Tappas aus `m Pott“, …. Dann gibbet noch „Kumpel Anton“, „Schachlik im Strukturmantel“, „Ruhrpott Lasagne“ und… und… und…ja, am Schluß dann noch „Omas hausgemachte „kalte Schnauze“ .Das waren natürlich nur Ausschnitte aus den Möglichkeiten, jedenfalls können wir dann gestärkt zur Zeche Zollverein kommen, dem UNESCO Welterbe und der ehemals modernsten Zeche Europas die 1986 dicht gemacht wurde. Heute beinhaltet die Zeche das Ruhrmuseum, Das Design Zentrum, Erlebnis und Event Stätten und vieles mehr. Zollverein zählt heute zu den imposantesten Industriedenkmälern der Welt. Der Besuchstag endet dann auch hier und die müden Beine können sich bei der Rückfahrt mit der Ruhrbahn wieder etwas entspannen.

Wir wollen den nächsten Tag ruhiger beginnen und machen zunächst eine Stadtrundfahrt mit dem englischen Doppeldeckerbus. Danach besuchen wir Essens größten Park. Der Gruga Park entstand 1929 anläßlich der großen Ruhrländischen Garten- Bauausstellung und hat eine Größe von 65 Hektar. Botanischer Garten, Dahlienarena, Gruga Bahn, Gruga – Bad , Musikpavillon, Rollschuhbahn, Kinderspielplätze, Orangerie und Modellbahnanlage, es gibt eigentlich für jeden etwas zu finden, selbst Kur vor Ort  und die Messe integrieren sich in die Anlage. Wir verlassen den Park am Ausgang Mustergärten an der Lührmannstraße und schauen uns noch die erste deutsche Gartenstadt, die Siedlung Margarethenhöhe  an, die 1910 fertiggestellt wurde. Margarethe Krupp stiftete die Siedlung, mit einer Fläche von 115 Hektar, 935 Wohneinheiten und 50 HektarSiedlungsfläche, anläßlich der Trauung ihrer Tochter Bertha.Du siehst, lieber Leser, es gibt eine Menge zu sehen in unsere „Grünen Hauptstadt Europas“ und das war nur ein kleiner Ausschnitt der Möglichkeiten in Essen und der Umgebung.

Margarethenhähe
Grugapark
Grugapark

Auch die Nachbarstädte haben ihre besonderen Reize wie Mülheim mit dem, Wasserbahnhof der Camera Obscura oder Duisburg mit dem Binnenhafen, Oberhausen mit dem CentrO und dem Gasometer, Bochum mit dem Planetarium, dem Starlight Express, Hattingen mit seiner Altstadt und alles in unmittelbarer Nachbarschaft, denn eigentlich sind wir ja alle eine Stadt – die Metropole Ruhr.

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