Wenn den Vögeln zu heiß wird – Der Klimawandel bringt nicht nur „mehr oder weniger Vögel“, sondern verändert die Zusammensetzung unserer Vogelwelt. Deutschland entwickelt sich langsam von einer eher mitteleuropäischen zu einer zunehmend wärmeliebenden Vogelgemeinschaft. Gleichzeitig geraten typische Arten feuchter Wiesen, Moore und kühler Wälder immer stärker unter Druck.
1. Einige Arten ziehen nach Norden oder in höhere Lagen
Vögel reagieren auf steigende Temperaturen ähnlich wie viele andere Tierarten.
Besonders betroffen sind Arten kühler Lebensräume, beispielsweise:
- Alpenschneehuhn
- Birkhuhn
- Ringdrossel
- Wasserpieper
Sie weichen immer weiter in höhere Gebirgslagen aus. Irgendwann gibt es dort jedoch „kein höheres Ausweichen“ mehr. Auch viele Waldarten verschieben ihre Verbreitungsgebiete langsam nach Norden.
2. Südeuropäische Arten breiten sich in Deutschland aus
Gleichzeitig profitieren wärmeliebende Arten. Zu den Gewinnern zählen unter anderem:
- Bienenfresser – inzwischen vielerorts in Deutschland Brutvogel.
- Seidenreiher – nimmt deutlich zu.
- Silberreiher – heute fast selbstverständlich auf unseren Wiesen.
- Purpurreiher – breitet sich langsam aus.
- Mittelmeermöwe – immer häufiger.
- Zwergohreule – vereinzelt Brutnachweise.
- Cetti-Sänger – profitiert von milden Wintern.
- Mönchsgrasmücke – überwintert inzwischen teilweise sogar in Deutschland.
Einige dieser Arten wären vor 40 Jahren noch echte Sensationen gewesen.

3. Überhitzte Nester werden zum Problem
Hier liegt vermutlich eines der größten Probleme. In offenen Nestern können Temperaturen von über 50 °C gemessen werden.
Die Folgen:
- Eier sterben bereits während der Entwicklung ab.
- Küken erleiden Hitzestress.
- Jungvögel verdursten.
- Eltern müssen ständig Wasser oder Schatten suchen und können weniger Nahrung heranschaffen.
Besonders betroffen sind:
- Feldlerche
- Kiebitz
- Flussregenpfeifer
- Seeschwalben
- Möwen
- Dachbrüter wie Mauersegler und Mehlschwalben
Auch Störche leiden unter extremer Hitze.
4. Elternvögel müssen ihre Jungen schützen
Viele Arten entwickeln bereits neue Verhaltensweisen:
- Sie stellen sich über die Küken und spenden Schatten.
- Sie hecheln ähnlich wie Hunde.
- Sie benetzen Brust- oder Bauchgefieder mit Wasser.
- Manche Reiher würgen Wasser hervor, um die Jungen zu kühlen.
Störche nutzen zusätzlich den sogenannten Urohydrose-Effekt: Sie setzen Kot und Urin auf ihre Beine ab. Durch die Verdunstung entsteht eine kühlende Wirkung – ähnlich wie menschlicher Schweiß.
5. Weniger Nahrung
Hitze wirkt sich nicht nur direkt aus. Viele Insekten verschwinden während extremer Trockenperioden. Für Insektenfresser wie
- Rauchschwalbe
- Mauersegler
- Grauschnäpper
- Fliegenschnäpper
bedeutet das häufig Futtermangel.
Wenn Trockenheit und Hitze zusammenkommen, sterben zudem Regenwürmer und andere Bodenlebewesen tiefer im Boden ab. Davon betroffen sind beispielsweise Amseln und Stare.
6. Brutzeit verschiebt sich
Viele Arten beginnen inzwischen früher mit der Brut. Das birgt Risiken:
- Frühere Blüte.
- Früheres Erscheinen der Raupen.
- Stimmen Brut und Nahrung zeitlich nicht mehr überein, fehlt den Küken genau dann das Futter, wenn sie es am dringendsten benötigen.
Dieses Phänomen wird als zeitliche Entkopplung (Mismatch) bezeichnet.
7. Mehr Extremwetter
Nicht nur Hitze macht Probleme. Auch nehmen zu:
- Starkregen
- Hagel
- Stürme
- lange Trockenperioden
Sie können komplette Bruten vernichten. Besonders Bodenbrüter verlieren dadurch häufig ihre Gelege.
8. Welche Arten könnten künftig häufiger werden?
Ornithologen erwarten, dass sich weitere wärmeliebende Arten dauerhaft etablieren könnten, darunter:
- Bienenfresser
- Purpurreiher
- Seidenreiher
- Zwergohreule
- Cetti-Sänger
- Kuhreiher
- Sichler (vereinzelt bereits beobachtet)
Auch exotische Arten wie Halsbandsittiche oder Alexandersittiche profitieren von den milderen Wintern, ihre Ausbreitung hängt aber zusätzlich von menschlichen Einflüssen ab.
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