Geschichten aus der Natur

Ulrich Klös – Onlinemagazin – 🎨 Fotomontage – eigenes Foto kombiniert mit KI-generierten Elementen

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Vogel der Woche 33 – der Eisvogel –

🐦 der fliegende Edelstein unserer Gewässer

Es gibt Vögel, bei denen schon eine kurze Begegnung genügt, um sie nicht mehr zu vergessen. Der Vogel der Woche 33 – der Eisvogel ist für mich ein perfektes Beispiel dafür. Der Eisvogel gehört für mich unbedingt dazu. Beobachten konnte ich ihn unter anderem in der Urdenbacher Kämpe. Besonders verbunden ist er für mich aber mit der Saarner Aue.

Dort gibt es sogar eine Brücke, die seinen Namen trägt: die Eisvogelbrücke. Und dieser Name kam nicht von ungefähr.

Treffpunkt Eisvogelbrücke

Auf der Brücke standen zeitweise zahlreiche Naturfotografen mit ihren Kameras und langen Teleobjektiven. Der Grund dafür war ein kleiner Vogel, der sich dort mit erstaunlicher Zuverlässigkeit beobachten ließ. Der Eisvogel hatte an den lehmigen Ufern des Gewässers seine Brutröhren angelegt.

Wer etwas Geduld mitbrachte, konnte ihn bei der Jagd beobachten. Von seinem Ansitz aus blickte er konzentriert ins Wasser. Plötzlich schoss er wie ein Pfeil hinunter, verschwand für einen Augenblick unter der Wasseroberfläche und kehrte – wenn alles gut gegangen war – mit einem kleinen Fisch im Schnabel zurück.

Dann ging es auf den Anschlagast. Dort schlägt der Eisvogel seine Beute gegen den Ast, bevor er sie verschluckt oder zum Nest bringt.

Und manchmal konnte man sogar eine besonders schöne Szene erleben: Ein Männchen überreichte seiner Partnerin einen Fisch.

Vogel der Woche 33 - der Eisvogel
Eisvogelpaar

Ein Fisch als Liebesbeweis

Diese sogenannte Balzfütterung gehört zum Paarungsverhalten des Eisvogels. Das Männchen fängt einen Fisch und präsentiert ihn dem Weibchen. Dabei übergibt es die Beute so, dass sie mit dem Kopf voran geschluckt werden kann.

Was für uns wie ein kleines Geschenk aussieht, hat eine wichtige Funktion: Das Männchen demonstriert damit seine Fähigkeiten als erfolgreicher Jäger und zukünftiger Versorger der Jungen.

Ein Fisch als Liebesbeweis – auf Eisvogelart.

Dann kam das Hochwasser

Doch irgendwann änderte sich alles.

Ein Hochwasser überschwemmte große Teile der Saarner Aue – einschließlich der Eisvogelbrücke. Die vertrauten Beobachtungsplätze verschwanden unter Wasser, Uferbereiche wurden verändert und auch der Eisvogel war anschließend lange Zeit dort nicht mehr zu beobachten.

Gerade für einen Vogel, der zum Brüten auf geeignete Steilufer angewiesen ist, können solche Veränderungen gravierend sein. Umso schöner ist es, dass der Eisvogel heute wieder an verschiedenen Gewässern der Aue beobachtet werden kann.

Die Natur hat sich verändert – aber der fliegende Edelstein ist zurückgekehrt.

Warum ist der Eisvogel so bunt?

Kaum ein heimischer Vogel besitzt eine derart exotisch wirkende Färbung. Der Rücken leuchtet je nach Lichteinfall intensiv türkis bis kobaltblau, während Bauch und Brust kräftig orangebraun gefärbt sind.

Interessanterweise entsteht ein Teil des beeindruckenden Blaus nicht einfach nur durch blaue Farbpigmente. Die besondere Struktur der Federn beeinflusst die Lichtreflexion – deshalb kann der Rücken je nach Beleuchtung einmal kräftig blau und ein anderes Mal fast türkis erscheinen.

Im schnellen Flug sieht man deshalb häufig nur einen blauen Lichtblitz, der dicht über dem Wasser dahinschießt.

Männchen oder Weibchen?

Auf den ersten Blick sehen sich die Geschlechter sehr ähnlich. Ein genauer Blick auf den Schnabel verrät jedoch, wen wir vor uns haben.

Beim Männchen ist der Schnabel nahezu vollständig schwarz. Beim Weibchen ist zumindest die Basis des Unterschnabels orange bis rötlich gefärbt.Eine kleine Eselsbrücke könnte lauten:

Die Eisvogeldame trägt Lippenstift.

Natürlich stimmt das biologisch nicht – aber als Merkhilfe funktioniert es ausgezeichnet.

Eine Kinderstube im Steilufer

Der Eisvogel baut kein klassisches Vogelnest. Stattdessen gräbt das Paar mit Schnabel und Füßen eine Röhre in eine möglichst senkrechte Lehm- oder Sandwand.

Diese Brutröhre kann mehr als einen halben Meter lang sein. An ihrem Ende befindet sich eine kleine Brutkammer. Dort legt das Weibchen gewöhnlich sechs bis sieben weiße Eier.

Eisvögel können unter günstigen Bedingungen zwei, gelegentlich sogar drei Bruten innerhalb eines Jahres großziehen.

Ein Leben vom Fischfang

Kleine Fische bilden den wichtigsten Teil seiner Nahrung. Daneben erbeutet der Eisvogel auch Wasserinsekten, Kaulquappen und kleine Krebstiere. Für seine Jagd braucht er vor allem klares Wasser. Nur wenn er seine Beute erkennen kann, funktioniert seine spektakuläre Stoßtaucher-Technik. Von einem über das Wasser ragenden Ast aus beobachtet er die Oberfläche. Hat er einen Fisch entdeckt, stürzt er sich kopfüber ins Wasser. Seine Augen sind dabei hervorragend an den Wechsel zwischen Luft und Wasser angepasst.

Nicht jedes Blau bedeutet Eisvogel

Wer einmal weiß, dass in einem Gebiet ein Eisvogel lebt, beginnt automatisch, auf blaue Bewegungen über dem Wasser zu achten. Oft ist der Vogel schon wieder verschwunden, bevor man überhaupt die Kamera heben konnte. Sein kurzer, scharfer und hoher Ruf verrät ihn häufig zuerst.

Und dann heißt es:

Kamera bereit halten und warten. Vielleicht kommt er zurück.

Ein harter Winter kann gefährlich werden

So exotisch der Eisvogel aussieht – er bleibt auch im Winter bei uns. Das kann ihm zum Verhängnis werden. Frieren Gewässer über längere Zeit vollständig zu, erreicht er seine Nahrung nicht mehr. Nach strengen Wintern können deshalb ganze regionale Populationen stark einbrechen.

Der Eisvogel besitzt allerdings eine erstaunliche Fähigkeit, solche Verluste in den folgenden Jahren wieder auszugleichen. Mehrere Bruten und zahlreiche Jungvögel helfen dabei.

Mein persönlicher Eindruck

Für mich bleibt der Eisvogel einer jener Vögel, bei denen man sich über jede Begegnung aufs Neue freut. Ich erinnere mich an die Fotografen auf der Eisvogelbrücke, an die Brutröhren im lehmigen Ufer und an die Ansitzäste, auf denen die frisch gefangenen Fische bearbeitet wurden.

Dann kam das Hochwasser. Der vertraute Platz veränderte sich und der Eisvogel verschwand. Doch irgendwann war er wieder da. Vielleicht macht gerade das seine Geschichte in der Saarner Aue so schön.

Die Landschaft verändert sich. Die Natur beginnt neu. Und plötzlich schießt wieder dieser kleine blaue Pfeil über das Wasser.


Steckbrief

Wissenschaftlicher Name: Alcedo atthis
Größe: etwa 16–18 cm
Spannweite: etwa 24–26 cm
Gewicht: ungefähr 35–45 Gramm

Nahrung: vor allem kleine Fische, außerdem Wasserinsekten, kleine Krebstiere und gelegentlich Kaulquappen.

Lebensraum: langsam fließende oder stehende Gewässer mit klarem Wasser, ausreichendem Fischbestand, Ansitzmöglichkeiten und geeigneten Steilufern zum Brüten.

Besonderheit: Das Geschlecht lässt sich am Schnabel erkennen: Beim Männchen ist er fast vollständig schwarz, beim Weibchen ist die Basis des Unterschnabels orange-rötlich.


🌿 Wissenswert

Der Name Eisvogel hat wahrscheinlich gar nichts mit Eis zu tun. Seine genaue Herkunft ist nicht abschließend geklärt. Eine verbreitete Erklärung führt ihn auf ältere Bezeichnungen zurück, die sich auf das auffällig glänzende beziehungsweise metallisch wirkende Gefieder beziehen.


📷 Beobachtungs- und Fototipp

Wer einen Eisvogel fotografieren möchte, sollte zunächst seine bevorzugten Ansitzäste suchen. Hat man einen solchen Platz gefunden, lohnt sich Geduld. Eisvögel benutzen bestimmte Äste häufig immer wieder.

Und dann gilt:

Nicht hinterherlaufen – warten. Oft kehrt der Vogel ganz von selbst zurück.


🔎 Erkennungsmerkmal

💙 Türkisblauer Rücken
🧡 Orangebraune Unterseite
🖤 Männchen: schwarzer Schnabel
🧡 Weibchen: orange-rötliche Basis des Unterschnabels
Rasanter, geradliniger Flug dicht über dem Wasser


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