bleihaltige Munition

bleihaltige Munition – nach einem Bericht im Journal für Vogelbeobachter “Der Falke” 8/2020 von Thomas Krumenacker

bleihaltige Munition in den Top Ten

Obwohl Blei zu den Top Ten der für Mensch und Tier gefährlichsten Stoffe zählt und es keine Schwelle gibt unter der das Gift ungefährlich ist, wird es noch immer zur Jagd eingesetzt.

Seit Jahren führt die EU Kommission einen Kampf gegen Blei. So ist es bereits in Buntstiften, Farben, Benzin und Wasserleitungen verboten.

Nur beim Verbot bleihaltiger Munition in der Jagd scheiterte man bisher. Durch die Jagd mit Schrotpatronen und bleihaltige Munition gelangen jährlich 18.000 bis 20.000 Tonnen Blei in die Umwelt (ECHA – Europäische Chemikalienagentur).

bleihaltige Munition in Feuchtgebieten

Die Jagd auf Enten, Gänse, Schwäne und andere Wasservögel führt zu 5.000 Tonnen Blei im Ökosystem Feuchtgebiete. 12 Millionen so geschossene Wasservögel gelangen zum Verzehr beim Menschen. Weiter 1,5 Millionen Tiere sterben nach der Jagdsaison qualvoll an den Folgen des Bleimülls.

Bereits geringe Mengen des Schwermetalls sind so giftig, dass selbst große Tiere an Bleivergiftung sterben.

Nach Schätzung der WHO (Weltgesundheitsorganisation) sterben jährlich 143.000 Menschen an Bleivergiftung

In einigen Staatswäldern der Bundesländer Niedersachsen, Rheinland Pfalz, Brandenburg und Hessen haben die Forstverwaltungen die Jagd mit bleihaltige Munition verboten.

bleihaltige Munition
pixabay – Norm_Bosworth

bleihaltige Munition – Verbotsforderung

Die EU wollte nun endgültig im Juni ein Verbot der Munition innerhalb der EU durchsetzen. Auch das Bundesumweltministerium setzte sich für ein Verbot ein und geriet dadurch in einen intensiven Streit mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium unter Julia Klöckner, die gegen ein Verbot war. Aus diesem Grunde mußte sich die BRD bei der Abstimmung enthalten und das Verbot scheiterte daran.

Absurd ist die Begründung von Julia Klöckner, die sich die Ansicht der Munitionsindustrie zur Herstellung von bleihaltiger Munition zueigen machte.

Da ihr das “Tierwohl” so nahe geht, wolle sie das Verbot verhindern. Bleifreie Munition sei nicht so “Tötungswirksam” wie bleihaltige Munition. Bleifreie Munition würde oft nicht zum unmittelbaren Tod des Tieres führen. Diese These der Industrie ist allerdings in einer mehrjährigen Studie als falsch eingestuft worden. Wie qualvoll Tiere an einer Bleivergiftung sterben war keine Silbe wert. Wieder einmal ist Julia Klöckner ihrem Ruf als Lobbyistin gerecht geworden.

Im September könnte es zu einer erneuten Abstimmung kommen, wo man den qualvollen Tod von 2 Millionen Vögeln in den Feuchtgebieten verhindern könnte.

Nachtrag am 04.09.2020


Ein Beitrag von „Die Flugbegleiter – das Online-Magazin für Natur und Vogelwelt“

Durchbruch zugunsten des Vogelschutzes: Die Verwendung von Bleischrot bei der Jagd in Feuchtgebieten wird künftig europaweit verboten. Nach Informationen der „Flugbegleiter“ aus Teilnehmerkreisen stimmten 18 EU-Staaten am Donnerstag im zuständigen Ausschuss dem Verbotsantrag der EU-Kommission zu und beendeten damit einen monatelangen erbitterten Streit. Das Verbot muss nun noch vom Europäischen Rat und dem Parlament bestätigt werden. Dies gilt aber als Formsache. Bislang ist eine Entscheidung des zuständigen Ausschusses von diesen noch nie widerrufen worden.

Bis zuletzt stand das Verbot auf der Kippe. Der Stimme Deutschlands kam damit eine entscheidende Rolle zu. Möglich wurde die deutsche Zustimmung durch das Einlenken von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ganz am Ende der Verhandlungen. Sie verzichtete in der Ressortabstimmung mit dem Umweltministerium darauf, neuerlich ein Veto einzulegen.

Jagd – Jäger wollen mehr

Jagd – gar lustig ist die Jägerei… scheint gut in die Politik der Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner zu passen. Jedenfalls scheinen das Jagd- und Bauernverbände so zu sehen, da sie immer neue Forderung zur Bejagung der heimischen Tiere auf den Tisch bringen.

War es zunächst die Forderung den Schutzstatus des Wolfes aufzuweichen, um nicht nur einen einzelnen Wolf, sondern womöglich gleich ein ganzes Rudel schießen zu können, geht es jetzt dem um den Waschbären.

Jagd auf die Jungwaschbären

Nach dem Willen der hessischen Koalitionäre soll es nun dem Jungwaschbären an den noch nicht fertig ausgebildeten Kragen gehen. Ausgerechnet die “Grünen”, gehen von ihrem ursprünglichen Standpunkt ab. Vor drei Jahren wollten sie noch die Schonzeiten, mit dem Blick auf andere Tiere, weiterentwickeln.

Heute opfern sie diesen Standpunkt um die Kompromissbereitschaft in der Koalition zu bekunden und stimmen der Aufhebung der Schonzeit für Jungwaschbären zu.

2017/2018 wurden in Hessen 28.000 Waschbären erlegt, Bundesweit 130.000

Das geht dem Jagdverband allerdings noch nicht weit genug. Dieser möchte auch für den Fuchs die Schonzeit aufheben lassen. Noch 2015 rühmten sich die “Grünen” damit, erstmals in der Jagdverordnung eine Schonzeit für Fuchs und Waschbär während der Aufzuchtzeit der Jungen durchgesetzt zu haben.

Bundesland Hessen – Vorreiterrolle?

Das Bundesland Hessen scheint auch eine Vorreiterrolle im Bezug auf die Bejagung von anderen Tieren zu haben. So gibt es im Bundesland den erlaubten “Haustierabschuß”. Dieser erlaubt das Töten oder die Entnahme, Aneignung von Haustieren im befriedeten Bereich der vom Vermieter, Besitzer oder Pächter genutzt wird.

Geduldet wird sogar Jagdhunde an gezüchteten, lebenden Fasanen, Rebhühnern oder Füchsen ausbilden und prüfen zu lassen. Ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Es ist verboten ” … ein Tier an einem lebenden Tier auf Schärfe abzurichten und zu prüfen…”

Was gilt da noch das Grundgesetz: ” Artikel 20a GG ….der Staat schützt … die Umwelt und Tiere….”

Zurück zum Waschbär. Forschungsergebnisse zeigen das der Waschbär keine Gefahr für das ökologische System darstellt. Seine Nahrung besteht aus Regenwürmern, Insekten und Obst. Wenn er dem Menschen zu nahe kommt, liegt das in der Regel an diesem selbst, weil er das niedliche Tier ja so gerne füttern möchte und ärgert sich dann, wenn er ihn nicht mehr loswird. Ordnungsgemäße Abfallentsorgung wäre da auch noch ein Tema.

Der Wildbiologe Dr. Ulf Hohmann sagt zum Waschbären

ich kenne keinen Wissenschaftler oder Jagdexperten der ernsthaft glaubt, den Tieren mit jagdlichen Mitteln Einhalt gebieten zu können. Wir müssen uns damit abfinden, dass der Waschbär sich bei uns wohlfühlt und wir ihn nicht regulieren können. Insofern müssen wir uns mit ihm arrangieren.

Dr. Ulf Hohmann

Jagd – Fallenjagd

Waschbären werden nicht einfach nur “abgeschossen”. Man nutzt auch Lebendfallen. Einmal in so eine Falle geraten, versucht das Tier natürlich wieder herauszukommen und fügt sich dadurch Verletzungen zu, bevor er dann vom Jäger mit einem Kopfschuss getötet wird. Außerdem gibt es immer noch Totschlagfallen, eigentlich für unsere Zeit unvorstellbar. In diesen Fallen wird der Waschbär regelrecht zerquetscht. und stirbt einen qualvollen Tod.

Für mich eindeutig ein Tatbestand der Tierquälerei.

Jagd – keine Schonzeit für den Fuchs

Was das Tema Fuchsjagd angeht, könnte sich die Ministerin ein Beispiel an Luxemburg nehmen. Dort wurde gegen den Widerstand der Verbände ein Jagdverbot durchgesetzt. Das Resümee zeigt das es zu keinen wesentlichen Problemen gekommen ist.

Im Bayerischen Nationalpark ist die Jagd auf den Fuchs seit Jahrzehnten verboten. Die im 24.000 Hektar großen Waldgebiet lebende Population an Füchsen reguliert sich selbst. Sie gebären bedeutend weniger Junge als Füchse in bejagten Gebieten, die ihren Bestand halten wollen. Das gleiche Prinzip gilt auch für den Waschbären. Bei Bejagung vermehrt er sich entsprechend mehr.

Man sieht also das eine Jagd auf Fuchs und Waschbär keinen Sinn macht. Aber die Jagdverbände werden in letzter Zeit nicht müde nach neuen Opfern zu suchen. Kaum bin ich bis hierher mit meinem Artikel gekommen, höre ich von neuen Forderungen gegen die Nilgans.

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