Geschichten aus der Natur

Ulrich Klös – Onlinemagazin

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đŸ•Šïž Heimkehr – Storch Die lange RĂŒckkehr aus Afrika

Über WĂŒste, Wind und Hoffnung – erzĂ€hlt aus der Sicht eines Heimkehrers

Die RĂŒckkehr eines Storches aus Afrika ist jedes FrĂŒhjahr ein kleines Wunder.

Noch liegt Afrika vor mir.

Wochenlang war die WĂ€rme mein Begleiter, der Himmel mein Dach, der Wind mein Wegweiser. Die Sonne stand hoch ĂŒber den Savannen, und die NĂ€chte rochen nach Staub und trockenem Gras.

Doch tief in mir begann lÀngst ein anderes Ziehen.

Ein Ruf, dem ich mich nicht entziehen kann. Es ist kein Laut, kein Wort. Es ist Erinnerung. Die Erinnerung an mein Nest.
An das Dach, auf dem ich den Sommer verbracht habe.
An das leise Klappern meines Schnabels im Morgenlicht.
An den Wind, der ĂŒber Wiesen und Felder strich.

Jetzt ist die Zeit gekommen, zurĂŒckzukehren.

🌍 Die lange RĂŒckreise eines Storches aus Afrika

Mit krĂ€ftigen FlĂŒgelschlĂ€gen hebe ich ab.

Unter mir schrumpft die Erde, wird kleiner, weiter.
Schon bald bin ich nicht mehr allein.

Andere ziehen mit mir.
Junge, die den Weg zum ersten Mal wagen.
Erfahrene wie ich, die wissen, dass Tausende Kilometer vor uns liegen.

Wir folgen keiner Straße. Dennoch kennen wir den Weg.

Der Lauf der Sonne, die Landschaft unter uns, das Magnetfeld der Erde – all das weist uns die Richtung.

Storch RĂŒckkehr aus Afrika

☀ Über WĂŒste und Hitze

Der RĂŒckflug eines Storches aus Afrika gehört zu den grĂ¶ĂŸten Naturleistungen im Vogelreich.

Der schwerste Teil beginnt bald.

Vor mir liegt die Sahara – eine endlose FlĂ€che aus Hitze, Wind und flimmerndem Licht. Hier gibt es keine Wiesen. Kein Wasser. Keinen Rastplatz.

Nur Thermik.

Ich breite meine Schwingen aus, lasse mich tragen, steige mit der warmen Luft spiralförmig nach oben. Kraft sparen ist jetzt ĂŒberlebenswichtig. Denn jeder FlĂŒgelschlag zu viel kostet Energie, die mir spĂ€ter fehlen könnte.

Unter mir zieht Sand vorbei, stundenlang. Manchmal Tage. StaubstĂŒrme können uns trennen. Gegenwind kostet Kraft.
Nicht jeder erreicht das Ziel.

Ich habe Vögel zurĂŒckgelassen.

Nicht aus GleichgĂŒltigkeit. Sondern weil der Himmel seine eigenen Regeln kennt.

🌊 Das Nadelöhr der Heimkehr

Das Meer meide ich, so gut ich kann.

Wir Störche brauchen aufsteigende Luft, um zu segeln.
Über offenem Wasser fehlt sie oft. Darum suchen wir schmale ÜbergĂ€nge:
am Bosporus, an Gibraltar oder entlang vertrauter LandbrĂŒcken.

Auch hier drÀngen sich Tausende.

Ein Strom aus FlĂŒgeln, Schatten und Hoffnung. Es ist ein Schauspiel, das Menschen staunen lĂ€sst.
FĂŒr uns aber ist es Notwendigkeit.

đŸŒ§ïž Wind, Regen und MĂŒdigkeit

Nach Tausenden Kilometern endet die Heimkehr des Storches oft genau an dem Horst, den er aus dem Vorjahr kennt.

Nicht jeder Tag trÀgt mich.

Es gibt Morgen, da hĂ€ngt der Himmel tief. Regen peitscht gegen mein Gefieder. Kalter Gegenwind drĂŒckt mich zurĂŒck.

Dann suche ich Rast. Ein Acker. Eine feuchte Wiese. Ein stiller Teich. Dort stehe ich reglos, sammle Kraft, schlafe im Stehen.

Manchmal denke ich dann an mein Nest.

Ist es noch da? Hat der Sturm es gehalten? Werde ich rechtzeitig zurĂŒck sein?

Denn wir Störche kehren oft an denselben Ort zurĂŒck – manchmal ĂŒber viele Jahre hinweg.

🏡 Die NĂ€he des Zuhauses

Irgendwann verÀndert sich die Luft.

Sie riecht anders. Frischer. Vertrauter. Unter mir erkenne ich FlĂŒsse, Felder, Straßen.

Europa.

Noch ein paar Tage. Noch ein paar Thermiken. Noch ein paar NĂ€chte auf fremden Wiesen. Dann endlich sehe ich ihn:

meinen Ort.

Das Dach. Den Schornstein. Das Nest.

Von oben wirkt alles kleiner, als ich es in Erinnerung hatte.
Und doch ist es genau der Platz, den ich gesucht habe.

Ich lande. Langsam. Vorsichtig. Mit mĂŒden FlĂŒgeln – und einem Herzen, das schneller schlĂ€gt als sonst.

🌿 Heimkehr des Storches – Heimathorst

Der Wind streicht durch mein Gefieder. Ich stehe auf dem Rand meines Nestes und sehe hinaus.

Da unten gehen Menschen ihrer Wege. Einige bleiben stehen und schauen nach oben. Vielleicht freuen sie sich ĂŒber meine RĂŒckkehr. Vielleicht sehen sie in mir nur einen Vogel.

FĂŒr mich aber bedeutet dieser Ort alles.

Hier beginnt der Sommer. Hier beginnt neues Leben.

WĂ€hrend ich meinen Schnabel hebe und das vertraute Klappern durch die Luft schicke, weiß ich:

Der Weg war weit. Aber ich bin zurĂŒck.

NABU Storchenzug

✹

Beobachtet, nachempfunden und neu erzÀhlt von Uli Klös

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