Geschichten aus der Natur

Ulrich Klös – Onlinemagazin

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Der Mauersegler – Leben im Himmel – Vogel der Woche 20:

Mauersegler – ein Leben im Himmel – Es gibt diese besonderen Momente im Jahr, die man nicht planen kann. Man schaut zufällig aus dem Fenster – und plötzlich sind sie wieder da.

So ging es mir heute. Ein dunkler Pfeil schießt mit unglaublicher Geschwindigkeit durch den Himmel, dreht abrupt ab und verschwindet. Sekunden später folgte der nächste. Die ersten Mauersegler des Jahres. Ein Grund für mich : der Mauersegler – Leben am Himmel wird Vogel der Woche 20.

Für viele Menschen sind sie einfach „Schwalben“. Doch der Mauersegler gehört gar nicht zu den Schwalben. Er ist vielmehr ein eigener Spezialist der Lüfte – ein Vogel, der den größten Teil seines Lebens tatsächlich in der Luft verbringt. Fressen, trinken, schlafen, wobei er eine Hälfte seines Gehirns zum Schlaf abschaltet. Sogar die Paarung: All das geschieht hoch über unseren Köpfen.

Nur zum Brüten verlassen Mauersegler den Himmel.

Nicht weit von unserem Haus befindet sich seit Jahren ein Nistplatz. Und jedes Frühjahr beginnt damit wieder dieses vertraute Schauspiel: die schrillen Rufe, die rasenden Jagdflüge zwischen den Häusern am Himmel und diese unglaubliche Wendigkeit, mit der sie die Insekten aus der Luft pflücken.

Wer einmal bewusst Mauersegler beobachtet hat, vergisst ihren Flug nie mehr. Sie wirken fast wie kleine schwarze Sicheln am Himmel – schnell, elegant und ständig in Bewegung.

Ein Leben ohne Landung

Der Mauersegler ist ein Extrem unter den Vögeln. Wissenschaftler gehen davon aus, dass junge Mauersegler nach dem Ausfliegen oft monatelang keinen festen Untergrund mehr berühren. Sie schlafen im Gleitflug in großer Höhe und lassen sich von Luftströmungen tragen.

Wenn man das weiß, wirkt jede Beobachtung dieses Vogels plötzlich noch faszinierender.

Die einzige Zeit, in der man einen Mauersegler überhaupt am Boden findet, ist meist ein Unglücksmoment: ein geschwächter Vogel, ein Jungtier oder ein Tier nach einer Kollision. Denn vom Boden aus können Mauersegler wegen ihrer kurzen Beine kaum starten. Sie brauchen Höhe und freien Raum.

Vielleicht erklärt gerade das ihre fast perfekte Anpassung an das Leben in der Luft.

Der schwierigste Vogel für Fotografen?

mauersegler-leben-im-himmel

Ich habe schon häufig versucht, Mauersegler im Flug zu fotografieren.
Ein äußerst schwieriges Unterfangen.

Die Tiere sind extrem schnell, ändern abrupt die Richtung und fliegen oft überraschend dicht vorbei. Meist arbeitet man mit großem Teleobjektiv – und das freihändig, weil für ein Stativ kaum Zeit bleibt.

Mein Bild zeigt genau diese Herausforderung: ein dunkler Schatten vor hellem Himmel, aufgenommen in einem Sekundenbruchteil. Technisch vielleicht nicht perfekt – aber für mich steckt darin genau dieses Gefühl des Augenblicks. Dieses plötzliche Wiedersehen mit einem Vogel, der den Sommer ankündigt.

Und vielleicht ist das manchmal wichtiger als absolute Perfektion.

Sommerboten über unseren Städten

Der Mauersegler ist eng an den Menschen gebunden. Früher nutzte er Felsspalten, heute nistet er oft unter Dachvorsprüngen, hinter Fassaden oder in alten Mauern. Doch moderne Gebäudesanierungen machen ihm zunehmend Probleme. Viele Brutplätze verschwinden unbemerkt.

Dabei gehört sein schrilles Rufen an warmen Sommerabenden für viele Menschen genauso zum Sommer wie Eis, Freibad oder der Duft frisch gemähter Wiesen.

Noch sind sie wieder da.

Und wenn sie hoch oben ihre rasenden Kreise ziehen, beginnt für mich jedes Jahr ein kleines Stück Sommer.

Mauersegler – Leben im Himmel – was sie auf ihrer Reise erwartet

Mauersegler gehören zu den erstaunlichsten Zugvögeln Europas. Obwohl sie den Winter tausende Kilometer entfernt in Afrika verbringen, kehren sie im Frühjahr oft punktgenau zu denselben Brutplätzen zurück – manchmal sogar zur gleichen Mauerspalte oder unter denselben Dachziegel.

Wie sie das schaffen, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass mehrere Fähigkeiten zusammenspielen: Orientierung am Sonnenstand, am Magnetfeld der Erde, an Landschaftsstrukturen und vermutlich sogar an Gerüchen und Luftströmungen. Junge Mauersegler fliegen ihre erste große Reise übrigens ganz allein – ohne erfahrene Altvögel als Führer.

Ihre Route führt sie über Frankreich und Spanien bis nach Afrika südlich der Sahara. Dabei legen sie mehrere tausend Kilometer zurück und verbringen fast die gesamte Zeit in der Luft. Unterwegs warten jedoch viele Gefahren: Stürme, lange Trockenperioden, Insektenmangel und zunehmend extreme Wetterlagen durch den Klimawandel. Auch auf dem Rückweg nach Europa kostet die Reise enorme Kräfte.

Und trotzdem erscheinen sie jedes Jahr wieder fast pünktlich über unseren Städten – als hätten sie einen unsichtbaren Kalender im Himmel.


Fakten zum Mauersegler

  • Spannweite: etwa 40–44 cm
  • Geschwindigkeit: über 100 km/h möglich
  • Nahrung: fliegende Insekten und Spinnen
  • Besonderheit: verbringt fast das gesamte Leben in der Luft
  • Brutzeit in Deutschland: meist Mai bis Juli
  • Zugvogel: überwintert in Afrika südlich der Sahara


Gesang des Mauerseglers

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