Geschichten aus der Natur

Ulrich Klös – Onlinemagazin

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Gasförderung vor Borkum: Bedroht ein neues Projekt die Schätze der Nordsee?

Gasförderung vor Borkum: Bedroht ein neues Projekt die Schätze der Nordsee? Die Nordsee gehört zu den am stärksten genutzten Meeresgebieten Europas. Schifffahrt, Fischerei, Offshore-Windparks und Rohstoffgewinnung konkurrieren mit dem Schutz empfindlicher Ökosysteme. Nun sorgt ein weiteres Vorhaben des niederländischen Energiekonzerns One-Dyas für Diskussionen: Eine neue Gasplattform soll vor Borkum entstehen.

Zwischen Energiegewinnung und Meeresschutz

Umweltschützer warnen vor erheblichen Risiken für Meeressäuger und wertvolle Lebensräume. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat deshalb rechtliche Schritte gegen das Projekt eingeleitet.

Die Doggerbank – ein verborgenes Naturparadies der Nordsee

Nur wenige Nordseeurlauber kennen die Doggerbank. Dabei handelt es sich mit rund 18.000 Quadratkilometern um die größte Sandbank der Nordsee. Sie liegt nordwestlich von Borkum und erstreckt sich über die Wirtschaftsgebiete von Großbritannien, den Niederlanden, Dänemark und Deutschland.

Die Doggerbank ist ein dauerhaft überflutetes Flachwassergebiet mit einer außergewöhnlich hohen Artenvielfalt. Zahlreiche Fischarten nutzen sie als Kinderstube, Seevögel finden hier reichlich Nahrung, und Meeressäuger wie Schweinswale durchqueren regelmäßig dieses Gebiet.

Wegen ihrer ökologischen Bedeutung steht die Doggerbank unter europäischem Schutz.

Borkum Riffgrund – einzigartiger Lebensraum vor unserer Küste

Besonders sensibel ist das Gebiet rund um den Borkum Riffgrund. Dort befinden sich seltene Steinriffe, die in der Nordsee eine Ausnahme darstellen.

Diese Riffe bieten Lebensraum für zahlreiche Tierarten:

  • Seesterne
  • Muscheln
  • Krebse
  • Fische
  • Schweinswale
  • Kegelrobben
  • Seehunde

Solche Riffe erfüllen eine ähnliche Funktion wie Korallenriffe in tropischen Meeren: Sie schaffen Strukturen und Versteckmöglichkeiten in einer ansonsten weitgehend sandigen Umgebung.

Neue Plattform nur wenige hundert Meter vom Schutzgebiet entfernt

Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe plant One-Dyas die neue Förderplattform N04-A in unmittelbarer Nähe zum Meeresschutzgebiet Borkum Riffgrund.

Besonders kritisch sehen Naturschützer, dass die geplanten Bohrungen teilweise unter dem deutschen Schutzgebiet verlaufen sollen. Zudem soll Produktionswasser aus der Gasförderung in unmittelbarer Nähe des Schutzgebiets eingeleitet werden.

Die DUH fordert deshalb, das Vorhaben nicht isoliert zu betrachten, sondern gemeinsam mit der bereits bestehenden Plattform N05-A als Gesamtprojekt zu bewerten. Nur so könne eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgen.

Gasförderung vor Borkum

Gefahr für Schweinswale und Robben

Von den möglichen Auswirkungen wären insbesondere Meeressäuger betroffen.

Schweinswale orientieren sich mithilfe von Schallwellen. Unterwasserlärm durch Bauarbeiten, Bohrungen und Schiffsverkehr kann ihre Kommunikation und Nahrungssuche erheblich beeinträchtigen.

Auch Robben reagieren empfindlich auf wiederkehrende Störungen. Experten warnen davor, dass wichtige Nahrungs- und Ruhegebiete langfristig gemieden werden könnten.

Eine niederländische Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Summe aller geplanten Industrieprojekte auf dem niederländischen Kontinentalschelf die Schweinswalpopulation um rund 3,3 Prozent verringern könnte.

Lohnt sich das Projekt überhaupt?

Neben den Naturrisiken wird auch der Nutzen des Projekts hinterfragt.

Nach Angaben der DUH könnte selbst im günstigsten Szenario lediglich ein sehr kleiner Teil des deutschen Gasverbrauchs gedeckt werden. Kritiker sprechen daher von einem ungünstigen Verhältnis zwischen ökologischem Risiko und energiewirtschaftlichem Nutzen.

Befürworter argumentieren dagegen, dass jede heimische Energiequelle zur Versorgungssicherheit beiträgt und Importe reduzieren kann.

Nordsee zwischen Nutzung und Schutz

Der Streit um die Gasförderung vor Borkum zeigt ein grundsätzliches Dilemma unserer Zeit: Wie lassen sich Energieversorgung, Klimaschutz und Naturschutz miteinander vereinbaren?

Während die Energiewende den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreibt, stehen fossile Projekte zunehmend in der Kritik. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für die Bedeutung mariner Lebensräume wie der Doggerbank oder des Borkum Riffgrunds.

Für Naturfreunde und Besucher der Nordsee sind diese Gebiete weit mehr als Punkte auf einer Seekarte. Sie gehören zu den letzten großen Wildnisräumen Europas – verborgen unter der Wasseroberfläche, aber von unschätzbarem Wert für das ökologische Gleichgewicht der Nordsee.

Quellen: Deutsche Umwelthilfe (DUH), Natura-2000-Schutzgebiete, Bundesamt für Naturschutz, Informationen zur Doggerbank und zum Borkum Riffgrund.

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