Warum ein heimlicher Vogel im Schilf unserer Feuchtgebiete plötzlich vor mir stand
Die Saarner Aue in Mülheim ist für mich längst mehr geworden als nur ein Ausflugsziel. Wer hier eine Wasserralle beobachten möchte, wird schnell verstehen, warum. Vielleicht ist die Aue so etwas wie mein zweites Zuhause.
Teil 1 – der Reihe : Verborgene Vögel am Wasser – Reiher und Rallen
An diesem Morgen stehe ich auf einer kleinen Brücke. Es sind gerade einmal zwei Grad.
Die Enten warten bereits hoffnungsvoll auf Futter. Ein Rentnerehepaar übernimmt wenig später diesen Teil des Programms.
Neben mir lockt eine junge Frau mit ausgestreckter Hand ein Rotkehlchen an.
Tatsächlich landet der kleine Vogel kurz darauf auf ihrer Handfläche und frisst.
Eigentlich bin ich wegen eines ganz anderen Vogels hier. Ein Freund aus dem Essener Fototreff hatte am Vortag ein Wintergoldhähnchen fotografiert.
Ich selbst habe noch nie ein wirklich gutes Foto vom kleinsten Vogel Deutschlands gemacht. Deshalb bin ich hier. Mit Geduld.
Und einer sehr warmen langen Unterhose.
Ein Vogel taucht aus dem Nichts auf
Dann passiert etwas völlig Unerwartetes.
Plötzlich tritt ein Vogel aus dem dichten Uferbewuchs. Nicht hektisch. Nicht scheu.
Fast gemächlich läuft er über Laub und Steine. Gut sichtbar. Eine Wasserralle.
Ein Vogel, den viele Naturfreunde häufiger hören als sehen. Nur rund 200 bis 600 Brutpaare wurden zeitweise in NRW geschätzt.
Umso erstaunlicher war diese Begegnung.
Perfekt angepasst an das Leben im Schilf
Die Wasserralle ist etwa drosselgroß.
Auffällig sind:
- der lange rötliche Schnabel
- extrem lange Zehen
- graublauer Unterkörper
- olivbraune Oberseite
- markante Querbänder am Bauch
Beim Laufen wirkte der Vogel auf mich fast so, als hätte er die Hände in den Taschen.
Natürlich Unsinn. Aber genau dieser eigentümliche Gang blieb hängen.
Warum sie kaum jemand sieht
Wasserrallen leben versteckt.
Sie bewegen sich:
- im Schilf
- auf Schlammflächen
- zwischen Wasserpflanzen
Dabei entstehen regelrechte kleine Wege:
👉 sogenannte „Rallenpfade“
Diese Reviere werden besonders in der Brutzeit energisch verteidigt.
Der Ruf wie ein kleines Schwein
Besonders kurios ist ihr Ruf. Wer ihn zum ersten Mal hört, denkt kaum an einen Vogel.
Das Geräusch erinnert eher an:
👉 ein quiekendes Ferkel
Genau dieser Ruf sorgte sogar in Essen für Schlagzeilen.
Die Wasserralle stoppte eine Baustelle
Am Borbecker Mühlenbach sollte im Zuge der Emscher-Renaturierung ein Regenrückhaltebecken gebaut werden.
Dann hörte jemand plötzlich den Ruf einer Wasserralle.
Da die Art besonders geschützt ist, wurden Bauarbeiten gestoppt.
Sogar ein Ersatzhabitat wurde geschaffen.
Zeitweise sorgte der Fall für reichlich mediale Aufmerksamkeit.
Die legendäre TV-Anmoderation lautete laut Emschergenossenschaft sinngemäß:
Wasserralle will nicht brüten.
Auch Naturschutz kann manchmal absurde Schlagzeilen produzieren.

Das Problem vieler Feuchtgebiete
Wie viele Arten leidet auch die Wasserralle unter:
- Entwässerung
- Verlust von Feuchtgebieten
- intensiver Landwirtschaft
Renaturierungsprojekte helfen.
Wo Wasser zurückkehrt, kehren oft auch die Vögel zurück.
Ein kurzer Moment bleibt
Meine Begegnung dauerte nur wenige Minuten.
Dann verschwand die Wasserralle wieder im Schilf.
So plötzlich, wie sie gekommen war.
Das Wintergoldhähnchen habe ich an diesem Tag übrigens nicht gesehen.
Manchmal schreibt die Natur eben ihre eigenen Geschichten.
Und oft sind es genau die unerwarteten Begegnungen, die bleiben.
✨ Beobachtet und festgehalten von Uli Klös
Weiterer Beitrag aus der Reihe:
Das Tüpfelsumpfhuhn -der unsichtbare Bewohner unserer Moore
Das Teichhuhn – der unterschätzte Akrobat im Wasser








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