Kiebitz

Kiebitz – diesen schönen Vogel sah ich erstmals während des Urlaubs auf der Nordseeinsel Borkum. Ich hatte mich im Vorfeld bereits erkundigt, wo man auf der Insel gut Beobachtungen machen kann.

Das Wetter im Mai meinte es gut mit uns. Die Sonne strahlte und Mensch und Natur genossen die warmen Sonnenstrahlen. Unser Ziel waren die „Hoppweiden“ und der „Tüskendörsee“ im Ostteil der Insel. Die Hoppweiden bieten mit ihren feucht, saftigen Wiesen ideale Weideflächen für Pferde und Vieh und sind die idealen Gebiete für Wiesenvögel.

Insofern war es fast folgerichtig, dass ich an diesem Tage mein erstes Kiebitzpaar in freier Natur beobachten konnte. Später sollte ich dem Kiebitz noch öfter begegnen, so auch in den Rieselfeldern bei Münster. Der zur Familie der Regenpfeifer gehörende Vogel ist auf der Oberseite schwarz- grün und der Unterseite weiß. Seine Wangen sind weiß und die Brust ziert ein schwarzer „Latz“.

Auffallend ist der prägnante Federschmuck auf dem Kopf. Diese Federn nennt der Experte „Federholle“. Es gibt noch einige andere Vogelarten, die eine derartige Federholle zeigen. Da wären etwa das Haselhuhn, der Kappensäger, der Seidenschwanz und der Wiedehopf, um nur einige zu nennen.

Im Prachtkleid ist die Federholle länger als im Schlichtkleid. Die Federn sind auch so ziemlich das einzige Unterscheidungsmerkmal zwischen Männchen und Weibchen, da die Federholle beim Weibchen kürzer ist. Außerdem ist im Prachtkleid die Färbung des Männchen kräftiger.

Vor Jahren konnte man den Kiebitz noch auf vielen Feldern und Wiesen vorfinden. Leider hat sich der Bestand drastisch reduziert. Heute ist er um 60 Prozent reduziert und die Art ist gefährdet. Vornehmlich die intensive Landwirtschaft, die Bearbeitung der Felder mit Herbiziden und die Entwässerung von Feuchtgebieten und Mooren tragen daran Schuld.

Auch natürliche Feinde, wie der Fuchs und die Beutegreifer haben ihren Anteil am Rückgang. Außerdem sind die Eier im Gelege so gut getarnt, dass sie nicht auffallen und oft zertreten werden.

Es gibt heute Initiativen die sich bemühen dem Vogel zu helfen. Landwirte und Umwelt und Tierschutzorganisationen legen sogenannte „Kiebitz Inseln“ in den Feldern an. So schaffen sie ein Brachgebiet im Feld,wo der Kiebitz in Ruhe brüten kann..

Ähnliches wird auch für die Feldlerche gemacht, um den Bestand zumindest aufrecht zu halten. Dort werden auf den Flächen „Lerchenfenster“ angebracht, die lediglich eine Größe von 20 Quadratmetern benötigt.

Seinen Namen verdankt der Kiebitz seinem Ruf. Besonders während der Balz ist sein „Kieh-witt“ laut und deutlich zu hören. Der Balzflug gehört beim Kiebitz zu den besonders sehenswerten Dingen. Deshalb wird er auch der „Akrobat der Lüfte“ genannt.

Er steigt hoch in die Luft, um dann in einem irrsinnigen Sturzflug zu Boden zu rasen. Erst kurz vor der Oberfläche fängt er mit schlagenden Flügeln den Fall ab. Oft zeigt er während des Flugs im Wechsel seine Ober- und Unterseite, um dem Weibchen zu imponieren.

Nach der Balz und der Paarung erfolgt Ende Mai die Eiablage. Aus bis zu vier Eiern schlüpfen dann die Jungen Vögel, die man in der Kuhle wegen der perfekten Tarnung kaum sieht. Naht sich ein Feind, versuchen Eltern die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, um die Kleinen zu schützen. Kiebitze können bis zu 25 Jahre alt werden.

Das Wort „kiebitzen“ hat übrigens keine Ableitung aus der Ornithologie. Ludwig Göhring leitet in seinem Buch „Volkstümliche Redensarten und Ausdrücke“ von 1937, dass Wort aus dem Jiddischen ab.

Der Dichter Hoffmann von Fallersleben widmet dem taubengroßen Kiebitz einige Zeilen in seinem Gedicht „Der Kiebitz und die Kiebitzin“

der Kiebitz und die Kiebitzin

die hatten beide einen Sinn;

sie fingen an zu tanzen,

sie hoben hurtig Bein um Bein

und sprangen hoch im Sonnenschein.

Das war ein lustig Tanzen !

Die Jungfer Gans, die sah es an :

was andre können, ich auch kann !

Und fing auch an zu tanzen.

Ei Jungfer Gans, was fällt dir ein?

Du brichst am Ende noch ein Bein,

mit deinem fetten Ranzen !

Die Gans, die stolpert über`n Stein

und purzelt hin und bricht ein Bein.

Da war vorbei das Tanzen.

So muß es kommen, Jungfer Gans,

das Tanzen ist nicht Jedermanns,

laß künftig andre tanzen

Hoffmann von Fallersleben, 1858

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